"Ich will keine Handyklingeltonmusik"

Der Opernsommer im Schlosstheater Schönbrunn zeigt heuer die Mozart-Oper "Don Giovanni"

Lexikon | INTERVIEW: STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016


Foto: Tanzer

Foto: Tanzer

Bereits zum fünften Mal wird das Schlosstheater Schönbrunn zum Sommeropernhaus. Seit 2012 bringen Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW) jedes Jahr eine Oper oder Operette auf die Bühne, heuer ist die Wahl auf das Werk „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart gefallen, das in Kammeroperfassung aufgeführt wird. Die Geschichte vom Wüstling und Frauenverführer aus Sevilla gilt als eines der Meisterwerke der Musikgeschichte.

Eventmanager Peter Hosek veranstaltet neben dem Opernsommer im Schlosstheater seit über 20 Jahren auch die sogenannten Touristenkonzerte in der Orangerie in Schönbrunn. Im Interview erzählt er, warum ihm die Förderung von Studierenden wichtig ist und Kunst und Geld nicht im Widerspruch stehen müssen.

Falter: Herr Hosek, Don Giovanni ist eine der berühmtesten Figuren der Operngeschichte. Ist man als Studierender schon in der Lage, so eine schwierige Rolle zu interpretieren?

Peter Hosek: Wir begleiten die Studierenden der MDW schon seit einiger Zeit. Wolfgang Schwaiger, der 2012 den Grafen in „Die Hochzeit des Figaro“ gesungen hat, gibt heuer den Don Giovanni und ist mittlerweile an der Oper in Köln engagiert. Es ist schön zu beobachten, wie sich die Sänger entwickeln.

Im vergangenen Jahr kam für

die Operette „Die Fledermaus“

von Johann Strauss der Schauspieler

Karl Ferdinand Kratzl als Frosch

zum Studierendenensemble dazu.

Warum haben Sie heuer auf

bekannte Gesichter verzichtet?

Hosek: Es sollen prinzipiell die Studierenden im Vordergrund stehen und nicht eine bekannte Persönlichkeit. Die Rolle des Frosches ist eine Ausnahme, da bietet es sich an, jemanden einzuladen, aber eben nicht als Sänger, sondern als Schauspieler.

Ist die Sommeroper für Sie ein Experimentierfeld?

Hosek: Nein, weil dann wüsste ich ja nicht, was am Ende herauskommt. Es geht eher darum, dass man als junger Sänger während des Studiums nie die Möglichkeit hat, eine große Rolle mit Orchester mehr als ein bis zwei Mal in einem Theaterbetrieb aufzuführen. Die Musikuni hat sich deshalb an uns gewandt und wir haben gemeinsam dieses Projekt ausgearbeitet. So können die Sänger, die dort studieren, im Sommer zehn bis 14 Vorstellungen spielen und Erfahrungen sammeln, etwa: Wie reagiert meine Stimme, wie reagiert mein Körper, wenn ich so eine Rolle sechs Mal hintereinander singe?

Sie selbst haben ja auch an der MDW studiert.

Hosek: Allerdings nicht Gesang, sondern das Konzertfach Klarinette. Ich habe in meiner Ausbildung so viel Leidenschaft und Wissen mit auf den Weg bekommen. Als ich das Schloss Schönbrunn Festival Orchester gegründet habe, hat es dann irgendwann auch so geklungen, wie ich es gelernt und mir vorgestellt habe.

Das Orchester haben Sie schon als Manager, nicht als Musiker ins Leben gerufen. Warum sind Sie von der Kunst in die Wirtschaft abgebogen?

Hosek: Ich tu mir immer ein bissl schwer, wenn man sagt, man geht von der Kunst in die Wirtschaft, weil ich glaube, dass die Wirtschaft eine Kunst ist und die Kunst durchaus eine wirtschaftliche Seite hat. Ich bin schon der Meinung, dass man im Kunstbetrieb auch Geld verdienen darf, so wie mit den Touristenkonzerten in der Orangerie.

Ist das nicht eher Kommerz als Kunst?

Hosek: Vor allem in Wien wird man schnell in diese Ecke gestellt, wenn man für Touristen Mozart und Strauß spielt. Aber das stimmt so nicht. Ich versuche Bedürfnisse zu erfüllen, nämlich Wien-Besuchern ein gutes Programm zu bieten, außerdem will ich als Veranstalter unabhängig sein, das heißt ohne Subventionen auskommen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass sich junge Sänger und Musiker dem Publikum präsentieren. Ich glaube schon, dass man Wirtschaft und Kunst unter einen Hut bringen kann.

Was braucht es, damit auch ein Touristenkonzert künstlerisch anspruchsvoll ist?

Hosek: In erster Linie ein abwechslungsreiches Programm, das die Leidenschaft des Künstlers weckt. Anfang Juli fand unser 7000. Konzert in der Orangerie statt. Man könnte sagen: Für die Touristen reicht’s, wir spielen jedes Mal das Gleiche, und es würde wohl auch funktionieren. Aber ich will keine Handyklingeltonmusik. Klar ist auch, wir werden nicht die Qualität eines Tonkünstler- oder Symphoniker-Orchesters erreichen, aber die haben auch eine andere Aufgabe. Wir werden zwar international wahrgenommen, aber in Österreich oft belächelt, nach dem Motto „Machen Sie doch bitte Ihre Touristenkonzerte, aber lassen Sie die Hochkultur in Ruhe“. Aber ich lass mich davon nicht beirren.

Opernsommer im Schlosstheater Schönbrunn, 6. bis 28. August


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige