Selbstversuch

Rate, wer zum Essen kommt

Doris Knecht hat endlich ein dankbares Publikum

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Kochst du einmal etwas Schönes für die Familie, zuverlässig tauchen drei bis fünf riesige Teenager auf, sagen: riecht gut, und lungern dann so lange herum, bis man sie zum Essen einlädt. Super! Man informiert die Teenager, dass man irgendwann gern einmal wieder allein essen würde, weil es auf die Dauer ganz schön anstrengend ist, immer für so viele zu kochen, vor allem, wenn man daneben noch ein Buch fertig schreiben muss. Sie nehmen das verständnisvoll nickend zur Kenntnis, ja, das verstehen sie total, passt, jetzt essen sie aber trotzdem gerne mit, danke; was gibt's? Roastbeef, Erdäpfel, Gemüse. Ah, super. Aber kocht denn nicht der Horwath für euch? Wissma nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Horwath nicht für euch kocht. Ja, kann eh sein, aber jetzt essen sie trotzdem gerne mit, sie haben grad Hunger. Gut, ich stell noch einen Reis auf.

Tatsächlich ist es immer nett mit ihnen. Sie interessieren sich jetzt für Sachen, über die man gerne spricht, weil man sich damit ein bissl auskennt oder sie miterlebt hat. Da gab's doch einmal diesen Bürgermeister, der hat eine Bombe gekriegt, wie war das genau? Hat der das überlebt? Lebt er noch? Und was wurde nochmal aus dem, der die Bombe gebaut hat?

Ja! Endlich ein frisches, interessiertes Publikum für die alten Veteranengeschichten, die sonst keine Sau mehr hören will. Man erzählt ihnen alles und wie es damals war mit dem Zilk und dem Flex, weil das interessiert sie auch. Apropos Flex, kontrollieren sie dort den Ausweis? Und hast du schon einmal einen Ausweis gefälscht?

Spinnst, natürlich nicht!!

Danke, Essen war gut!

Bitte gern.

Dann ruft der Horwath an, dass das Essen fertig ist, und sie ziehen ab.

Am nächsten Tag schleppt man wieder riesige Scheibtruhen voller Salz-Mohn-Flesserln ins Haus, Toastbrot, Cola, Obst, Chips und Kekse. Die Teenager so: Schnupf und weg, was gibt's eigentlich heute Abend? Aha, na ja, wir machen uns dann einmal ein paar Nudeln.

Nudeln können sie, mit Pesto, alles andere: viel zu anstrengend.

Von dem Roastbeef am Sonntag ist, sind ja Vegetarier darunter, doch ein Stück übrig geblieben. Ich habe es in eine Alufolie gewickelt und mir am Montag etwas davon auf getoastetes Vollkornbrot gelegt, mit Rucola und Currymayonnaise. Es war so gut, am Dienstag wollte ich das wieder. Ich konnte aber das Fleisch nicht mehr finden, auch nicht, nachdem ich den Kühlschrank aufgeräumt hatte. Natürlich denkt man da an Diebstahl. Allerdings: Es würde kein Teenager, den ich kenne, sich die entsetzliche Mühe antun, etwas anderes als die Cola-Flasche aus dem Kühlschrank zu nehmen. Oder gar etwas Unbekanntes aus einer Folie auswickeln. Das müsste man dann ja auch noch schneiden und auf ein Brot Viel zu anstrengend. Sie essen nur Sachen, die vor ihnen stehen. Toast in den Toaster: okay. Den Herd aufdrehen und das Curry aufwärmen, das darauf steht? Oooch. Kalt ist eh fein, danke! Das Roastbeef war noch da, natürlich.


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