Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Mensch, Freund

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Aufregende Zeiten. Die Reifenproduktion bei Semperit wurde vom Eigentümer, der Continental AG, gedrosselt, die Belegschaft, wegen guter Umsatzentwicklung hoffnungsfroh, war am Boden zerstört. Es war nur das Vorspiel zu einem der zahlreichen Dramen, die die Auslagerung von Industrieproduktion aus Europa begleiteten. Am Ende würde Semperit zugesperrt, das war allen klar. Thomas Seifert erklärte dem staunenden Publikum die Folgen des Shareholder-Value-Denkens.

In Eisenstadt wurden jene Neonazis ermittelt, die jüdische Gräber geschändet hatten. Die Überraschung hielt sich in Grenzen, als Klaus Zellhofer aufdeckte, dass die Täter nicht - wie Jörg Haider behauptet hatte - "linkschaotischen" Kreisen zuzuordnen waren, sondern rechtsextremen.

Martin Staudinger wiederum vermochte das Publikum mit der Recherche zu verblüffen, dass die städtische Wohnhäuserverwaltung mit der Mediaprint kooperierte. "Im Büro von Wohnbaustadtrat Werner Faymann wird die Kooperation mit Krone und Kurier vehement verteidigt: ,Da es in vielen Wohnhausanlagen ein Interesse der Mieter an diesem "Service" gibt und die Zustellung in keinem einzigen Fall mit Problemen verbunden war, gibt es für die MA 52 keinen Grund, dieses Angebot in anderen Wohnhausanlagen zu verhindern', erklärte Faymann dem Falter gegenüber. Die Zusammenarbeit bestehe bloß darin, dass die Wohnhäuserverwaltung die Haustorschlüssel zur Verfügung stelle und die Aushänge am Schwarzen Brett anbringe. ,Die Kosten dafür werden von der Mediaprint refundiert.'" Es handle sich um keinen geschäftlichen Vorteil für irgendjemanden, sondern um "reine Menschenfreundlichkeit", wie Mediaprint-Geschäftsführer Bernd Nacke versicherte.

Das ist prima, wenngleich ein Neidhammel wie Oscar Bronner, der Herausgeber des Standard, dessen Zeitung -anders als das Wirtschaftsblatt - nicht in die Gemeindebauten hineinkam, das Ganze nicht so lustig fand. Aber wer möchte schon gegen reine Menschenfreundlichkeit etwas einwenden?


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