Ohren auf Allerlei Techno

Zurück zur Leichtigkeit und zur Fröhlichkeit

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

In der aktuellen Technowelt ist nicht viel Platz für Popmomente, meist regiert eiserne Funktionalität die Dancefloors. Das Berliner Label Ostgut Ton, das zum Club Berghain gehört, steht normalerweise für trockene, basslastige Produktionen. Umso überraschender kommt das Album "Fierce for the Night" der deutschen Produzentin und, ja, Sängerin Virginia.

Erfrischend ist, wie undogmatisch und abwechslungsreich ihre Musik klingt. Deep House der 80er trifft auf flotten 90er-Electropop - fast erwartet man, dass gleich Lisa Stansfield oder Yazz ("The Only Way Is Up") zu singen beginnt, aber Virginia hat auch eine sehr nette Stimme. Ihre Songs klingen auf sympathisch unzeitgemäße Weise leicht und fröhlich, selbst wenn mal Liebesprobleme besungen werden. "Uplifting" ist das Wort, das diese schöne Sommerplatte am besten beschreibt.

Dass ein ganzes Album mit druckvollem, hypnotischem Techno durchaus auch unterhaltsam sein kann, beweist der Texaner Matthew Dear mit "Alpha" (!K7), dem neuen Werk seines Projekts Audion. Hier geht es ganz zentral um Monotonie, wobei die Kunst darin besteht, dass trotzdem nicht alles gleich klingt. Dear versteht sich meisterlich darauf, kleine wie größere Spannungsbögen zu bauen.

Wollen Technoproduzenten Urlaub vom Alltag, machen sie Kunst. Zuletzt entwickelte sich das Remixen von Klassik-Stücken zu einem regelrechten Sport. Für "Re:works"(Universal) stand das Repertoire des Decca-Labels zur Verfügung. Procol Harum bauten einst "A Whiter Shade of Pale" um eine Bach-Akkordfolge, Wolfgang Voigt macht daraus luftigen Ambient zum Mitsummen. Martin Buttrich entführt Erik Satie in die Großraumdisco, ohne dass es wehtut. In mehrere Richtungen gleichzeitig verläuft der Kulturaustausch, wenn der Pianist und Elektroniker Francesco Tristano "Merry Christmas Mr. Lawrence" von Ryūichi Sakamoto funky dekonstruiert.


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