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Wer wird Rundfunk-General?

Hintergrund: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Am 9. August wird der wichtigste Medienjob des Landes vergeben. Acht Kandidaten haben sich um die Stelle des ORF-Generaldirektors beworben, ernsthafte Chancen haben nur jene zwei, die sich seit Monaten für die Wahl in Stellung gebracht haben: ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der seine dritte Amtsperiode antreten will. Und der kaufmännische ORF-Direktor Richard Grasl, der ihn ablösen möchte.

An guten Ideen mangelt es nicht. Wrabetz verspricht mehr Geld für die heimische Filmwirtschaft, will unter anderem die Rechte der Redakteure stärken und den Frauenanteil in Führungsjobs erhöhen. Grasl schlägt in seinem Programm ein Medienmagazin und politische Satireshows vor und will die Nachrichtensendungen ausbauen. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist allerdings die Farbe. Wrabetz: rot. Grasl: schwarz. Schließlich wird die Wahl zum ORF-General nie ausschließlich anhand von Qualifikation und programmatischen Vorhaben getroffen, sie ist immer auch ein Politikum. Immerhin ist der ORF - von Ö3 über ORF.at bis ORF 2 - das wichtigste Medium des Landes. Das macht ihn auch für die heimischen Politiker so relevant (siehe auch Seite 5).

Die Politik hat bei der Wahl über Umwege ihre Finger im Spiel. Wer Chef wird, entscheidet der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat, der politisch besetzt wird. Jedes Bundesland entsendet seinen Stiftungsrat - er ist quasi dem jeweiligen Landeshauptmann im Wort. Neun weitere Mitglieder kommen außerdem von den Regierungsparteien, dazu sechs von den Parlamentsparteien. Sechs Mitglieder kommen vom Publikumsrat, fünf vom ORF-Zentralbetriebsrat -sowohl Publikums-als auch Betriebsrat sind zum Teil wiederum politisch punziert.


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