Film Neu im Kino

Rausch im Regen, Leichen im Land, "Dibbuk" im Leib

Lexikon | D. ROBNIK | aus FALTER 31/16 vom 03.08.2016

Auf dieser Landhochzeit ist alles Stimmung: Grautöne in der Sonne; ein halbverfallener Hof; Luster in der Scheune; Haar und Hemd im Sommerregen an der Haut klebend. Zugleich ist alles wörtlich: Kollektive Amnesie heißt sich im Ensemble blödsaufen; Freilegung von Vergangenheit heißt Bagger; das Geistern der längst toten Hanna lässt den Bräutigam veitstanzen, später mit Fistelstimme jiddisch reden. Verdrängte Mitschuld am Mord an der jüdischen Bevölkerung des besetzten Landes ist ein Topos im aktuellen polnischen Film. Ihn bespielt die Gruselgroteske "Dibbuk" mit Rauschritualen: Brauchtum als Zwang geht über in Gewalt. In Musikpassagen von Penderecki klingt "Shining" an: Da kommt noch mehr! Mit Verve gespielt, vom 2015 verstorbenen Marcin Wrona gewitzt inszeniert: böse Bilder vom Anfang des neonationalen Europa.

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