Olympia, ein Geist am Rande der Dekadenz

Die laufenden Sommerspiele zeigen alle Merkmale der Freiheit und politischen Abhängigkeit, die den Olympismus seit langem prägen


ERKLÄRSTÜCK: JOHANN SKOCEK

Stadtleben | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Olympische Spiele sind, wenn du dir freiwillig Sachen wie Damen-Rugby, Bogenschießen, Synchronspringen und Taekwondo anschaust. Olympische Spiele sind, wenn dir die wahrscheinlich bestgedopte und erfolgreichste DDR-Schwimmerin aller Zeiten, die sechsfache Goldmedaillengewinnerin Kristin Otto, im ZDF die Geschichte vom mutmaßlichen Staatsdoping in Russland erzählt. Frau Otto hat im Kindermissbrauchssystem der DDR eher nicht freiwillig Medikamente eingeworfen, sie hat Doping auch nie zugegeben. Gesperrt wurde sie nie. Auch keine ihrer Kolleginnen, von denen manche als Spätfolge des Missbrauchs zur höheren Ehre des sozialistischen Erfolgsmodells missgebildete Kinder zur Welt brachten.

Und jetzt schwelgen sie wieder alle in der Buntheit der Fahnen, der fast 12.000 Athleten, in schwindelerregenden Leistungen, Tränen der Rührung und Enttäuschung. Die hochglanzpolierten Berichte und Übertragungen gehen über vor Hymnen und Nationalflaggen und die Botschaft ist mehr als deutlich: Die Nation

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