Neue Bücher

Schönes Altes in neuer Übersetzung

Feuilleton | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Alphonsus Josephus de Ridder

(1882-1960) führte in Antwerpen eine Werbeagentur. Abends schrieb er unter dem Pseudonym Willem Elsschot Romane, die als Klassiker der niederländischsprachigen Literatur gelten. Sein lakonischer Stil und sein realistischer Blick auf Menschen und die Arbeitswelt lassen die Bücher immer noch aktuell erscheinen. Etwa die Erkenntnis, "dass sogar ein Mann mit langjähriger Erfahrung bei der erstbesten Gelegenheit einen Tritt in seinen fünfzigjährigen treuen Hintern kriegt und durch einen anderen ersetzt wird, der genauso gut und billiger ist".

In dem kleinen Roman "Käse" ergreift ein unbedeutender Büroangestellter deshalb die erstbeste Gelegenheit, sich als Vertreter eines Käsegroßhändlers selbstständig zu machen. Er scheitert auf groteske Weise, weil er in seinem Arbeitszimmer sitzt und vom Erfolg träumt, aber nie beginnt, Käse zu verkaufen.

SEBASTIAN FASTHUBER

Willem Elsschot: Käse. Deutsch von Agnes Kalmann-Matter und Gerd Busse. Aufbau, 156 S., € 17,50

Der englische Autor Laurence Edward Alan Lee wurde 1914 in dem Dorf Slad in Gloucestershire geboren, wo er 1997 auch verstarb. Doch er war alles andere als ein Einsiedler, der glänzende Stilist hinterließ vor allem autobiografische Reisegeschichten. "An einem hellen Morgen ging ich fort", geschrieben in den späten 1960ern, berichtet von seinen Fußmärschen als Jüngling Mitte der 1930er.

Bedrückt von der Enge seiner Herkunft bricht er eines Tages auf und wandert quer durchs Land nach London. Er schlägt sich als Straßenmusiker und am Bau durch, ehe ihn wieder die Wanderlust packt und er mit dem Schiff nach Spanien übersetzt, wo sich langsam der Bürgerkrieg abzeichnet. Von diesem erzählt Lee in einem späteren Roman. Hier aber schreibt er vom Unterwegssein in einer fernen Zeit und singt ein Loblied auf die Langsamkeit, die genaues Hinsehen erst ermöglicht.

SEBASTIAN FASTHUBER

Laurie Lee: An einem hellen Morgen ging ich fort. Deutsch von Vanessa Wieser. Milena, 272 S., € 23,90


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