Tiere

Und tschüss!

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016


Der Leserbrief beginnt mit allgemeinen, freundlichen Worten, die dann schnell in ein Aber münden: „… aber Ihre Tierfreundlichkeit in Ehren, doch die Begründung, warum man bestimmte Tiere nicht ausrotten darf, sind Sie in Ihrer Kolumne über Gelsen schuldig geblieben.“

Andere Tierarten auszulöschen scheint seit Steinzeittagen ein großes Anliegen des Homo sapiens zu sein. Auf einer Website für Petitionen findet sich auch ein entsprechender Antrag: „Der Mensch ist die dominante Spezies auf der Erde. Deshalb sollten sämtliche freien Flächen wie Naturschutzgebiete geschlossen und bebaut werden. Solang noch genügend Exemplare für die Forschung und Versorgung da sind, ist es egal, wie viele Tiere es gibt. Mit genügend Waffen und Pestiziden können wir den Tierbestand gut unter Kontrolle halten.“ Zum Glück haben dies bislang nur sieben von sieben Milliarden Menschen unterschrieben.

Bei Gelsen wird gerne darauf hingewiesen, dass diese als Überträger der Malaria täglich bis zu 1400 Menschen töten und die Welt eine bessere ohne diese Insekten wäre. Man meint den Esel und schlägt den Sack. Eigentlich ist nur der Einzeller Plasmodium tödlich, aber das wirkt als Argument zu spitzfindig. Das Problem bei so einem Overkill ist, dass man selbst bei diesen gut beforschten Tieren nichts Genaues weiß. Welche Rolle haben sie bei der Ernährung anderer Arten? Manche Wissenschaftler behaupten, dass sich die Zahl der Zugvögel ohne diese Nahrungsquelle in den Tundrengebieten um die Hälfte verringern würde. Andere wiederum meinen, das wären „gefühlte“ Statistiken, die dadurch zustande kommen, dass die Forscher die Anzahl der sie umgebenden und stechenden Gelsen überschätzen würden.

Vor allem US-amerikanische Experten (meine subjektive Empirie) sprechen von einem akzeptablen „collateral damage“ und meinen, dass Vögel lieber ein „500-Gramm-Motten-Steak“ essen würden, als Zeit mit einem „150-Gramm-Moskito-Burger“ zu verschwenden. Ja eh.

Eine vermutlich viel größere ökologische Rolle spielen die im Wasser lebenden Gelsenlarven. Diese werden nicht nur von Wasservögeln gefressen, sondern auch von Fröschen, Salamandern und Fischen, die selbst wiederum Teil der Nahrungskette sind. Tierarten ausrotten ist wie Dominosteine umstoßen: Man weiß nie, wie es ausgeht.


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