Bundesgärten

Betreten erlaubt: Wie Wiens Gartenkultur zerstört wird

Falter & Meinung | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Mit dem Ice Cream Festival begann im Burggarten eine neue Ära. Ende Juni war die 320-jährige Geschichte der Bundesgärten, die das Erbe der ehemaligen Hofgärten bewahrten, beendet worden. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) verfügte, dass die Institution der Schönbrunner Gartenbauschule angegliedert wird, was in etwa so sinnvoll ist, wie das Burgtheater dem Reinhardt-Seminar unterzuordnen.

Rupprechter verkaufte diese Maßnahme als Beitrag zu einer effi zienten Verwaltung, was eine hilflose Formulierung für die völlige Unkenntnis der Materie sein dürfte. Oder eine leere Floskel, um von der wahren Intention seiner Beamten abzulenken -die begehrten Grünflächen im Herzen der Stadt noch stärker zu kommerzialisieren. Die inzwischen geschasste Bundesgärten-Direktorin konnte noch das Schlimmste verhindern. So legte sie sich quer, als der Österreichische Skiverband einen Rennparcours von der Schönbrunner Gloriette herunter plante. Die Expansion des kostenpflichtigen Tiergartens in den offen zugänglichen Botanischen Garten soll bereits beschlossene Sache sein.

Das Ice Cream Festival am vergangenen Wochenende ist ein Vorgeschmack darauf, wie sich Schönbrunn, Burggarten, Belvedere und Augarten verändern werden. Aus geschützten Kunstwerken werden Abspielstätten des Eventbusiness, das Natur-und Kulturdenkmäler vorsätzlich zerstört. Die ÖVP hat durch die Demontage der Bundesgärten wieder einmal bewiesen, dass sie Konservativismus mit der Steigerung von Betriebsergebnissen verwechselt. Die Burggarten-Bewegung demonstrierte 1980 für Rasenfreiheit. Fortschrittliche Kräfte sollten heute für ein "Betreten verboten!" auf die Wiese gehen.


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