Buch der Stunde

Ein Flaneur auf der Flucht vor der Wirklichkeit

Feuilleton | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Carola sorgte sich, weil ich, wie sie sich ausdrückte, zu oft der Wirklichkeit auswich, um so unauffällig wie möglich leben zu können. Sie drohte mir dann und wann, mit mir zum Arzt zu gehen, ich lachte kurz und fragte, welcher Arzt für mein verstecktes Leben denn zuständig sei."

Der deutsche Schriftsteller Wilhelm Genazino veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre Bücher von etwa 150 Seiten, in denen er sich in immer neuen Variationen einem Thema widmet: mittelalten, mittelmäßigen Männern, die sich vor der lästigen Wirklichkeit ekeln und sich ihr deshalb zu entwinden versuchen. Nur ja keine Verpflichtungen eingehen! Mit dem durch Frankfurt flanierenden namenlosen Helden seines neuen Romans ist Genazino wieder einmal ein besonders schönes Exemplar dieser Spezies geglückt.

Im Leben würde man diesen Mann nicht beachten, aber als Romanheld erweist er sich als große, tragikomische Figur. Er ist ein gescheiterter Schauspieler, dem es mit Jobs als Radiosprecher


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