Stadtrand Urbanismus

Die soziale Hängematte

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Vergangene Woche gab 's Stunk in Mariahilf: Auf die Bänke im Esterhazypark waren Holzpflöcke genagelt worden. Das sah verdammt nach einer Aktion zur Obdachlosenabwehr aus und wurde von der Caritas schwer kritisiert. Letztendlich stellte sich jedoch heraus, dass nicht Obdachlosen das Schlafen auf den Bänken verwehrt werden sollte, sondern Skatern die zweckentfremdete Nutzung als Rampe. Praktischerweise erfüllen die Pflöcke beides.

Abwegig ist die Sache schließlich auch nicht, in ganz Europa arbeitet man daran, den öffentlichen Raum für die, die ihn als Schlafzimmer benötigen, so unbequem wie möglich zu machen: In Hamburg blockieren Zäune trockenen Raum unter Brücken, in London Metallspitzen Hauseingänge, und Mülleimer werden so konstruiert, dass man nicht hineingreifen kann. In Wien teilen Armlehnen Bänke in schmale Einzelsitze. Gleichzeitig sollen schicke Stadtmöbel die einladen, die man im kollektiven Stadtwohnzimmer haben will.

Gute Ausnahmen gibt's trotzdem: etwa die Hängematten im Bruno-Kreisky-Park. Da kann zumindest bis Oktober jeder drinnen herumhängen.


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