Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Geschichten der Welt der Woche

LUCA GASSER | Feuilleton | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Hobts no an Gusto?", fragt der Sänger und Liedermacher Voodoo Jürgens die schwitzende Menge im Wiener Gürtellokal B72. Der Appetit ist noch nicht gestillt.

Gusto auf Gitti, der der Verkehr mit einem "odrahten Hund" vorgeworfen wird. Oder auf Ronny, der armen Seele mit Vorliebe für verbotene Substanzen. Der könne sich mit "seine Zahnstocha-Haxn" hinter einem Soletti umziehen. Im Song "Tulln" bekommt man den tiefsten Einblick in das Leben des Voodoo Jürgens, der wahrscheinlich nicht von Geburt an so geheißen hat. So wunderbar absurd sind seine kleinen Geschichten, dass sie eigentlich nicht wahr sein können. Aus seinem ununterbrochen mahlenden Mund kommen sie wie normalster Smalltalk. Angenehm unaufgeregt trägt Voodoo seine Texte vor, die besonders die dunklen, grausigen Seiten des Lebens mit ironischem Witz behandeln.

Mit Bier in der einen und einem Stamperl Schnaps in der anderen Hand betrat er die kleine Bühne. "Drei Gschichtn ausm Café Fesch" handeln von einem runden Russen, der immer noch bei Mama wohnt, und vom Willi ("die Tigers woan sei Gang, und er woa da Leader"). Dem Dritten im Bunde musste das Bein amputiert werden, weil er von seinem Vater zu lange in eine Kiste gesperrt wurde.

Voodoo Jürgens' Café Fesch befindet sich im 15. Bezirk, und man kann ihn sich bildhaft darin vorstellen, mit seinem bunt gepunkteten, ausgewaschenen Seidenhemd und dazu passender Pluderhose. Mit Kasperlstimme intoniert er: "Heite grob ma Tote aus" und "Heit geh ma a bissl früher zhaus". Voodoo Jürgens trägt das Publikum über menschliche Abgründe und bringt es mit scheinheiliger Vernunft zum Lachen. Der Wiener Seele wird so genial geschmeichelt, man möchte jaulen.


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