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Ein Land erfindet sich neu - Kosovo 2.0

Medien | MITGELESEN: MARLENE LIEBHART | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Sie sind Sprachrohr einer Generation, die das Selbst-und Fremdbild ihres jungen Landes umkrempeln will -weg von Krieg, Fremdbestimmung und Chancenlosigkeit. "Kosovo 2.0" nennt sich das Netzwerk mit Sitz in der kosovarischen Hauptstadt Prishtina, das im Internet Artikel, Kommentare und Analysen, multimediale Reportagen und Blogs vereint. Dabei reicht das Spektrum von alltäglich bis hin zu politisch brisant. Die Inhalte gibt es auf Albanisch, Serbisch und Englisch. Auch die Autoren selbst kommen aus aller Welt, viele gehören zur kosovarischen Diaspora.

Nachdem sich das Land 2008 für unabhängig erklärt hatte, kehrten viele, teils sehr gut ausgebildete junge Kosovaren in ihre Heimat zurück. Eine von ihnen war Besa Luci, die einen Mastertitel in Journalismus aus den USA mitbrachte. 2010 gründete sie "Kosovo 2.0" als kritische Plattform für Debatte und Fortschritt.

Zusätzlich zum Onlineauftritt gehört auch eine Kollektion von Printmagazinen zum Repertoire. Zehn Ausgaben zählt die Sammlung, jede davon beschäftigt sich mit einem eigenen Thema. 2011 erschien die erste Ausgabe "Image", diesen Sommer die vorerst letzte mit dem Titel "90s" - das Jahrzehnt, das den Krieg brachte. Der Kosovo ist das jüngste Land Europas. Nicht nur, weil er erst seit acht Jahren besteht. Er hat auch die jüngste Bevölkerung; mehr als die Hälfte ist unter 25 Jahre alt. Fast 70 Prozent davon sind arbeitslos. Im eigenen Land fehlen Perspektiven, viele fühlen sich eingeengt und sehnen sich nach Europa. Große Hoffnung richtet sich auf die EU-Abstimmung zur Visaliberalisierung, die im September abgehalten werden wird. Obwohl diese noch keine Öffnung des Arbeitsmarktes bedeuten würde.


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