Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Lauf der Zeit

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Der Kanzler persönlich verfasste eine doppelseitige Buchrezension über das Buch "Die Zukunft des Kapitalismus" des amerikanischen Ökonomen Lester Thurow. Franz Vranitzky macht sich dessen These zu eigen: Der Kapitalismus, immer nur an kurzfristigen Profiten interessiert, ist unfähig, eine eigene Zukunft zu sichern, und bedarf des Staates und der Politik. Resümee: "Kreativität ist gefordert und politisches Engagement und beträchtlicher Mut. Und doch geht es entlang der politischen Grundlinien, die uns ohnehin schon die letzten einhundert und mehr Jahre politisch geleitet haben: um Solidarität gegen Individualismus, um soziale Gerechtigkeit gegen soziale Ausbeutung." Kann man so sagen.

Auch das Feuilleton wies eine prominente Autorin auf. Die Prager Schriftstellerin Libuše Moniková erinnerte zu deren 100. Geburtstag an die Adressatin von Franz Kafkas Briefen "an Milena", Milena Jesenská. "Weltweit wurde sie nur in Verbindung mit seinem Namen genannt. Im eigenen Land blieb sie jahrzehntelang tabu, totgeschwiegen als Renegatin, da sie Stalins Verbrechen öffentlich angeprangert hatte. () Die einzige öffentliche Anerkennung ist die Würdigung des Staates Israel, der ihr posthum den Ehrentitel ,Gerechte unter den Völkern' verliehen hat."

In ihrer Kolumne "Schlausein/Dabeisein" widmete sich Andrea Hurton dem Lauf der Zeit. "Erinnert sich jemand an Fetish Fashion? Das war einmal eine furchtbar verbotene Sache. An ,Sadomaso &Co' kann man die Karriere eines Thrills beobachten. Was in Subkultur begann, landete als ,provocation dress' im Punk-Streetstyle und auf den Laufstegen. Enggeschnürte Korsetts, hochhackige Stiefel, Gummiwaren, Lack und Leder -alles, wovon der Fetischist träumt, gibt es von Alaia, Mugler und Montana. Und Handschellen von Gucci. Dann kam das Fernsehen, entdeckte das Thema, und Hausfrauen erzählen bei Ilona Christen, wie sie freitags den großen Kellerschlüssel aus der Brotlade holen und sich in ein Gummidress zwängen, das einmal ein Taucheranzug war. Omas mit blau gefärbten Haaren klatschen."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige