Das Sterben der anderen

Die Schriftstellerin Sabine Gruber taucht in ihrem neuen Roman in die Welt der Kriegsreporter ein. Straight, unprätentiös, ohne moralische Anmaßung

REZENSION: SEBASTIAN FASTHUBER | Feuilleton | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Die gute Nachricht zuerst: Bruno Daldossi hat überlebt. Drei Jahrzehnte war der Südtiroler als Kriegsfotograf unterwegs, in Afghanistan und im Irak, in Bosnien und Tschetschenien. Kaum ein Kriegsgebiet oder ein Krisenherd, in dem er nicht an vorderster Front dabei gewesen wäre. In dieser Zeit musste Daldossi viele Kollegen beerdigen, die bei Gefechten erschossen wurden oder sich selbst das Leben nahmen. Vielleicht hat er besonders gut aufgepasst, oder er hatte einfach nur Glück.

Erfreuen kann er sich seines Lebens nicht mehr, steht er am Ende seiner beruflichen Laufbahn doch allein da. Nicht genug, dass ihn das Magazin, für das er tätig war, in den Ruhestand geschickt hat. Auch seine Gefährtin Marlis hat ihn, nachdem sie ein halbes Leben damit verbracht hat, zu Hause seine Rückkehr aus Krisenherden zu ersehnen, schließlich verlassen. Daldossi ist ein Versehrter, dem man es auf den ersten Blick nicht ansieht. Körperlich hat er keine Verletzungen davongetragen. Die seelischen Narben

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