Augenblick Wiener Momente

Stadtleben | B W | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Montagvormittag, Ecke Mariahilfer Straße/Getreidemarkt: Auf der Mahü herrscht noch morgendliche Ruhe. Ein paar Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit, ein paar Touristen, die in den Gastgärten frühstücken, ein paar Obdachlose, die sich den Schlaf aus den Augen reiben. Die Fußgängerampel an der Kreuzung steht auf Rot, aus der Richtung des Landesgerichts braust ein silberner Minibus mit verdunkelten Scheiben heran. "Justizwache" ist seitlich darauf zu lesen. Am Straßenrand steht ein Mann. Sein Alter lässt sich schwer schätzen -man sieht, dass sein Leben intensiv gewesen sein muss, denn es hat tiefe Spuren in sein Gesicht gegraben. Er mag 40 sein, vielleicht 50, vielleicht aber auch älter. Er steht auf dünnen Beinen, seine knochigen Knie ragen aus kurzen Hosen heraus. In seiner Hand raucht eine Zigarette. Sein Blick folgt dem Minibus, lächelnd. "Vorbeigfahrn", sagt er und nimmt einen Zug.


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