Schal im Abgang

Seit 14 Jahren lassen sich österreichische Winzerinnen in Unterwäsche für einen Kalender fotografieren. Das Kalendermädchen im Weingarten - ein Auslaufmodell?

Landleben | ANSICHT: VERENA RANDOLF | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Dennis Jale hat keinen Bock. Dass gebotoxte Menschen schlecht darin seien, ihre Gefühle zu zeigen, widerlegt der im Waldviertel geborene Sänger mit einem Blick: „Unwille“ sagt sein festgetackertes Gesicht. Später, als es die beharrliche Veranstalterin endlich geschafft hat, ihn in die Scheune des Heurigen zu holen, kommen für einen Moment Ansätze von Erstaunen, Entsetzen und Scham dazu. Dann strahlen seine Zähne – ganz Profi – wieder mit dem weißen gestärkten Hemd um die Wette. Er klettert auf den alten Traktor, wischt sich die Schweißperlen von der Stirn und versucht, in die Kameras zu lächeln. Dabei sind ihm zehn Hintern und 20 Brüste im Weg.

Dass die tatsächlich so gut wie nackt sein würden, damit hätte Jale offenbar nicht gerechnet. Ein bisschen rote Seide, ein bisschen rosa Spitze, ein bisschen billiger Chiffon. Wer hier der Star ist, ist schnell klar. Rock-’n’-Roll-Sänger Dennis Jale klettert, von dem guten Dutzend Fotografen quasi unbemerkt, wieder vom Traktor und verzieht sich. Der leiseste Kalenderpate seit 14 Jahren.


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