Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Als Europa um seine Identität rang

Es ist erst zwölf Jahre her, und doch scheint das Buch einer anderen Ära zu entstammen. Aus einer, die nicht unkritisch, aber hoffnungsvoll auf die Zukunft der Europäischen Union blickte und Europa, wie der Untertitel des Buches sagte, eine Seele geben wollte. Thomas Meyer, sozialdemokratischer Denker, Politik-und Medienwissenschaftler, plädiert für eine politische, nicht eine kulturelle Identität der EU. Gerade das Türkei-Kapitel des Buches ist eine erneute Lektüre wert. Man könnte sich vorstellen, dass die Erdoğanitis auch nur eine gewisse historische Phase umfasst, und sollte darüber nicht vergessen: "Die Türkei hat sich seit 1923 beharrlich nach Westen, nämlich Europa orientiert und nicht nach Osten oder Süden."

Dass Erdoğan mit dieser Orientierung brach, hat nicht nur mit seinen osmanischen Machtfantasien zu tun, sondern auch mit einer europäischen Haltung, die die Türkei nicht wirklich zu einer Verwestlichung ermutigte. AT

Thomas Meyer: Die Identität Europas. Der EU eine Seele? Suhrkamp (2004), 238 S., € 14,40


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