Menschen

Eine Woche Wien

Kolumnen/Zoo | LUKAS MATZINGER | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

Mittwoch. Jede warme Woche veranstaltet die Wiener Albertina eine Art Kunstclubbing, ein Event für mittelfeine Leute, wo man nicht einfach "hingeht", sondern "sich trifft". Man traf sich also auch zu diesem Mittwoch-Sonnenuntergang auf der Terrasse des Museums zu einer Ausgabe der "Temporary Wednesday Club"-Reihe mit dem pfiffi gen Namen Albert & Tina. Schöne After-Work-Menschen mit Sonnenbrillen, Hemden und Kleidern besprachen sich bei Kattus und Corona und wippten ihre Füße mitunter rhythmisch. Die House-beiden Oberst &Buchner legten auf. In den Getränken schwammen Kräuter und Fruchtscheiben. Das ist 1010, wie es sein muss. Der Spaß geht jetzt noch bis 7. September, jeden Mittwoch, Eintritt frei, Getränke teuer.

Donnerstag. Nächste Sommerreihe, auch draußen, auch einmal die Woche, auch freier Eintritt. Das Literaturfestival O-Töne lädt jeden Donnerstag zu einer Doppellesung in den Hof des Museumsquartiers. Erst liest ein möglichst junger Autor aus seinem Erstlingsbuch, dann ein möglichst bekannter aus seiner Neuerscheinung. Vergangenen Donnerstag waren das zunächst Petra Stuik, die mit ihrem alles überrollenden burgenländischen R das nicht ganz erwachsen wirkende Buch "Lucy fliegt" las. Erkennungsmerkmal: Sätze nicht zu Ende. Dann kam der Star des Abends, Michael Köhlmeier, einer der besten Leser deutscher Zunge, dessentwegen schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung die vordere Hälfte der Sessel mit Seidenschals besetzt war und die aufgestellten Stühle am Ende bei weitem nicht reichen würden. Köhlmeiers neues Buch heißt "Das Mädchen mit dem Fingerhut" und erzählt die Geschichte eines Kindes ohne Herkunft. Fürs Live-Erlebnis ist das aber fast egal. Köhlmeier spricht so schön, der könnte auch die Lohnsteuertabelle 2016 vorlesen, und es käme perfekte Gute-Nacht-Geschichte-Qualität raus. Am kommenden Donnerstag ist übrigens Friederike Mayröcker an der Reihe.

Samstag. Im Wiener Burggarten trug sich mit dem Konzeptevent Vienna Ice Cream Festival tatsächlich ein ganzes Wochenende zu Ehren des Speiseeises zu. Da waren freilich allerhand Eistrucks aufgestellt, dazu gab es Pastrami-Streetfood und freshe Cocktails zum Sippen. Der ganze schöne Kaiserpark wurde mit Musik der 1930er-, 1940er-und 1950er-Jahre beschallt, was sich alles wunderbar anhört und eine fantastische Möglichkeit versprach, sich nachmittagelang durch alle erdenklichen Eissorten und -macharten zu kosten. Diese Idee gefiel vielen, weshalb der Burggarten das ganze Wochenende lang knackevoll war und man für die richtig guten Sachen eine halbe Stunde Anstehzeit in Kauf nehmen musste. Minimum.


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