Seinesgleichen geschieht Der Kommentar des Herausgebers

Über die Mode der Türkeikritik als innenpolitische Ersatzhandlung


VON ARMIN THURNHER
Falter & Meinung | aus FALTER 32/16 vom 10.08.2016

ie gute Nachricht: Die Regierung scheint sich in einer Frage einig zu sein. Die schlechte Nachricht: auf Kosten anderer. Die Türkei nach dem Putsch benimmt sich nicht, wie es eines demokratischen Staates würdig ist, um es milde auszudrücken. Aber dass sich sowohl Kanzler Kern als auch Außenminister Kurz die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Härte zu zeigen, darauf könnte man verzichten.

Ihrer beider Forderung, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, geht ins Leere, weil diese längst stocken. Andererseits stellt der von Kanzler Kern kritisierte symbolische Charakter diplomatischer Handlungen oft deren einzigen Sinn dar.

Die Türkei hat als Nato-Staat eine strategische Schlüsselrolle im Nahen und mittleren Osten. Dass Erdoğan sich, wie es heißt, von Europa abwandte, hing einerseits mit der Haltung der europäischen konservativen Parteien zusammen, die allesamt der Türkei klarmachten, dass sie keine europäische Perspektive habe. Und das, obwohl diese sich seit

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