Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Herbert Krejci ist tot. Abschied von einem echten Konservativen

Politik | Armin Thurnher | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Er war ein Konservativer, mit dem wir anfangs nichts zu tun haben wollten. Später, als wir merkten, dass die meisten sogenannten Konservativen keine sind, manche Progressiven aber durchaus konservative Affi nitäten aufweisen, vor allem wenn es um Kultur geht, lernten wir einander auf paradoxe Weise schätzen. Herbert Krejci begann als Journalist und war lange Jahre Generalsekretär der Industriellenvereinigung, aber niemals ein Apparatschik. Als er sich im Jahr 2000 von der Schüssel-Haider-Regierung distanzierte, tat er das nicht nur als überzeugter Großkoalitionär, sondern auch als entrüsteter Bürger, der eine rote Linie überschritten sah.

Als Publizist würdigte er, wie wir später herausfanden, die Arbeit des Falter durchaus. In Hainburg stand er nicht auf der Seite der Au-Besetzer; zum zehnten Jahrestag der Besetzung diskutierte er mit Ex-Grünen-Chefin Freda Meissner-Blau, Ex-ÖGB-Boss Anton Benya, dem Krone-Redakteur Friedrich Graupe und mir im Falter. Die Redaktionsräume gefielen ihm ausnehmend gut. Hier sehe es aus wie bei der Iskra, sagte er (Iskra, der Funke, war eine frührevolutionäres, von Lenin geleitetes Blatt) und meinte das als Lob. Krejci starb vergangene Woche im Alter von 94 Jahren in Wien.


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