Notmaßnahme: Burger

Das Gasthaus Stadtkrug hat sich verändert - wieder einmal. Nun gibt's hier Burger


Lokalkritik: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016


Foto: Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow

Das Konzept, mit dem die Familie Huth das Gasthaus zum Stadtkrug Anfang 2014 bespielte, erschien ideal: Das dezent renovierte Uralt-Gewölbe mit der stimmungsvollen Lambris, das in den vergangenen 25 Jahren schon für die absurdesten Gastronomie-Experimente herhalten musste, wurde da endlich als echtes, gutes Stadtgasthaus geführt, in dem man erstklassiges Schnitzel, guten Tafelspitz, ein in Buttermilch mariniertes Backhendl, tolles Gulasch und hausgemachten Leberkäse bekommen konnte. Sollte man glauben, dass das ums Eck der Kärntner Straße ungefähr so erfolgreich ist wie die Brasserie Lipp am Boulevard Saint-Germain in Paris.

War aber nicht so, das Kärntner-Straßen-Publikum habe sich stark geändert, erfährt man, für ein Essen würden heute nur mehr 20 Euro ausgegeben werden, da war gutbürgerliche Feinsinnigkeit das falsche Angebot (verwunderlich, dass der Weiße Rauchfangkehrer schräg gegenüber, eines der teuersten Gasthäuser der Stadt, dennoch voll ist, aber bitte).

Weshalb Familie Huth beschloss, den altehrwürdigen Stadtkrug zum Burger-Lokal mit dem zweifelhaften Namen Rinderwahn werden zu lassen. Ja, Burger – das, was seit drei Jahren eh schon jeder macht.

Man studierte Konzepte und ließ sich von einer Werbeagentur beraten, und das, was dabei herauskam, ähnelt dem „Said the butcher to the cow“ am Opernring doch in erstaunlichem Ausmaß: Burger-Vielfalt, Craft-Beer, Gin Tonic, Salate, Cheesecake, weiße Fliesen mit Fleischhauer-Optik an der Wand und dann genau diese flotten Sprüche.

„Rinder fressen Gras: vegetarisch voll korrekt“, „Was der Bauer kennt, isst er“, „Ich will ein Rind von dir“, „Es war einmal ein Rind. Und aus“. Bei allem Respekt für das, was die Familie Huth in Wien schon Gutes gemacht hat, aber bei solchen Sprüchen krieg ich den Ausschlag. Solche Slogans hat Wiens Gastronomie nicht verdient.

Aber wie auch immer, seit dem Burger-Konzept gehe die Hütte wie geschnitten Brot, heißt es, 400 Burger pro Tag, jeder Tisch mehr als viermal besetzt. Der Bacon-Burger „Bacon Charlie“ war nicht schlecht, das 250-g-Fleischlaberl eher auf der neutralen Seite, aber sehr saftig, die Fritten mit „hausgemacht“-Optik und nach amerikanischer Manier viel zu weich (€ 13,80), auch „Verrücktes Huhn“ mit gegrilltem Cajun-Hühnerfilet ohne besondere Aromabeteiligung war dank Avocado, gegrillter Zwiebel und reichlich Pickles saftig (€ 12,80), der Salat alias „Hasenfutter“ (hahaha, ich brech ab …!) die klassische Häcksel-Mischung, die man mit diversen Toppings bekommt, etwa gegrillten Ziegenkäsescheiben mit Zwiebeln und Paprika (€ 10,80).

Alles nicht schlecht, alles so gnadenlos Mainstream, dass der Erfolg quasi unvermeidlich scheint. Schade um das Gulasch und das in Buttermilch marinierte Backhendl.

Resümee:

Nein, es ist noch nicht vorbei, jetzt kommt die nächste Welle der Burger-Lokale. Hier etwa im guten, alten Stadtkrug, und es funktioniert noch immer.

Rinderwahn
1., Weihburgg. 3
Tel. 01/512 09 96
Mo–Sa 11.30–24 Uhr
www.rinderwahn.at


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