Watchdog

Sind soziale Medien am Terror mitschuld?

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Dass die Terrororganisation IS so schnell wuchs und mit ihrer Propaganda selbst bis in die Kinderzimmer Mitteleuropas vordrang, verdankt sie ihrer ebenso geschickten wie manipulativen Medienstrategie. Diese fußt auf dem Einsatz von sozialen Medien, die die Terroristen für ihre Propagandazwecke missbrauchen. Das wirft eine rechtlich spannende Frage auf: Machen sich soziale Medien mitschuldig am Terror?

Die Antwort fiel vergangene Woche in einem Gerichtsprozess in Kalifornien. Die Hinterbliebenen der zwei ermordeten Amerikaner Lloyd F. und James C. hatten die Kurznachrichtenplattform Twitter geklagt. Die beiden Männer waren im Rahmen einer Polizistenausbildung in Jordanien von einem Jordanier erschossen worden. Der IS bekannte sich später zu der Bluttat.

Twitter habe zum Mord beigetragen, indem es der Terrorgruppe geholfen habe, deren Propaganda zu verbreiten, Geld zu sammeln und Mitglieder zu rekrutieren, argumentierten die Kläger.

Der Richter gab Twitter recht und wies die Klage ab. Twitter sei weder der Sprecher noch der Verlag der Terroristen. Ein Twitter-Sprecher erklärte, Gewaltdrohungen und Propaganda hätten keinen Platz auf Twitter. Die Praxis beweist oft das Gegenteil.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige