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Pressekolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Die Wienzeile - das "Supranationale Magazin für Literatur, Kunst und Politik" - ist eine lokale Perle. Man findet sie nur in ausgewählten Geschäften oder in den Händen eines charmanten Kolporteurs, der einen für 3,50 Euro direkt im Wirtshaus beliefert. Das Heft richtet sich an die Nische und räumt Gedichten, Dramoletten, Kritiken, Wortspielen und Grafiken viel Platz ein.

Die aktuelle Ausgabe (Titel: "Hehe") widmet sich jenem miesen Typen, der uns seit Kindertagen als Held verkauft wird: "Kasperl, die Sau". Die Argumentation der vernichtenden Kritik ist stichhaltig. "Er verführt die Kinder, die anderen zu verraten. (...) Der Kasperl macht aus unseren Kindern Denunzianten." Der heimattümelnde Traditionalist habe nichts mehr mit dem anarchistischen Hanswurst aus Zeiten des Absolutismus zu tun, "er ist kein Antipode der Mächtigen mehr". Stattdessen verdrischt der starke Mann das Böse (Krokodil) und sperrt alte Frauen (Hexe) weg. "Der Kasperl ist eine damagogische, selbstgefällig faschistische, denunzierende Nazidrecksau." Wienzeile, eine schonungslos schöne Entdeckung!


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