Menschen

Und plötzlich war alles Farbe

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Das Wiener Calle-Libre-Festival kämpft wehrhaft gegen alle Arten von Ressentiments, mit denen sich die Kunst des Graffi timalens scheinbar naturgemäß herumzuschlagen hat. Einmal im Jahr versammelt das Fest Künstler der "Urban Art" oder der "Street Art", oder wie immer es der Selbsteinschätzung gebührt, in der Hauptstadt, um dafür vorgesehene Flächen zu verschönern. Das selbstgesetzte Ziel ist schnell erklärt: die Stadt bunter, urbane Räumer ästethischer zu machen. Und Wien dabei zusehen zu lassen. So war das auch vergangene Woche, als Sprayer vieler Länder an einigen Ecken dieser Stadt Hand anlegten - sie "bespielten", wie der gelernte Kulturfestivalmensch zu sagen pflegt.

Angefangen hat alles am Mittwoch, bei der Eröffnungssause des Festivals. Da gab's eine Ausstellung im Museumsquartier, bei der die Künstler zeigten, dass sie auch Leinwände schön werden lassen können. Man durfte Dinge kaufen und den Künstlern beim "Live-Gespräch" mit dem Linzer Veranstalter Jakob Katt ner zuhören, der das Calle Libre seit drei Jahren kuratiert. Bei Workshops im Mumok konnte man dann selbst versuchen, ein wenig von dem zu lernen, was die Künstler zu schaffen vermögen.

Das Herzstück der Veranstaltung war aber freilich etwas anderes, nämlich die Live-Paintings. Im sechsten, siebten und achten Bezirk bekam das Festival heuer freie graue Flächen zugesprochen. Und hinterließ bis Sonntag einige Werke, die selbst Menschen mit dem verkrampftesten Kunstverständnis gefallen könnten.

Ein kolumbianischer Künstler namens Stinkfish zum Beispiel kombiniert Porträtfotografie und Graffi ti, und zwar so, dass er Menschen auf der Straße fotografiert und diese Bilder später auf anderen Kontinenten an Wände malt. Wie jetzt zum Beispiel im Richard-Waldemar-Park in Mariahilf. Und was der Brasilianer Rodrigo Branco von der Plattform eines Kranes aus auf eine Wand beim Karl-Farkas-Park gemalt hat, dürfte überhaupt eines der größten Gesichter sein, die die Stadt jemals gesehen hat.

Zum Abschluss am Samstag gab es noch einen Street Food Market mitsamt einem eigentlich eh rechtzeitig angekündigten "Spontan"-Techno-Pop-up-Club in der Alten Post. Das war das dritte Calle Libre, es ist inzwischen das größte Street-Art-Festival Österreichs.

"Bad Gal Riri" war in der Stadt. Das ist die Eigenbezeichnung der barbadischen Popgeldmaschine Rihanna. Sie spielte vergangene Woche ein okayes Konzert in der Stadthalle, und wenn das stimmt, was man so hört, hat sie sich schon tags zuvor ziemlich schrauben lassen. Erst soll sie im Park Hyatt Hotel mit Bier der Hofer-Eigenmarke vorgeglüht haben, um danach bei geschlossener Gesellschaft im kleinen Red Room in der Innenstadt den Geburtstag ihres Friseurs zu feiern. Stabile Wien-Tage also.

Der berühmte Wiener Kulturmanager Helmut Werner betreibt neben allerlei Prozessen gegen Boulevardmedien auch noch sein Kerngeschäft und füllt das kommende RTL-Dschungelcamp (Jänner 2017) schon jetzt vorsorglich mit seinen "Künstlern" an. Der "Botox-Boy" und Ex-Freund von Helmut Berger Florian Wess wird dabei sein. Das Ex-Model Gina-Lisa Lohfink auch, die kriegt sogar eine Rekordgage. Nicht, dass der jetzt auch noch Frau Cathy Lugner vom österreichischen Präsidentschaftswahlkampf in die nächste Ekelshow treiben will.


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