Kunst Kritik

Monumental: Helden der Arbeit

Lexikon | NS | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Vor 50 Jahren trat jenes Abkommen zwischen Österreich und dem damaligen Jugoslawien in Kraft, das es Gastarbeitern aus dem Süden möglich machte, hierzulande legal Jobs anzunehmen. Der Kurator Bogomir Doringer hat diese runde Zahl zum Anlass genommen, im Freiraum des Museumsquartiers die thematische Schau "Ajnhajtclub" zu gestalten, die sehr viel Stoff liefert. Der etwas unglückliche Titel nimmt auf die Arbeiterklubs ("Einheitklub") Bezug, die sich als soziale Anlaufstellen in Österreich etablierten.

Etliche der gezeigten Kunstwerke wurden von Artists in Residence des Museumsquartiers gestaltet, die zu der Thematik recherchiert haben. So auch die, etwas versteckte, Installation der Kolumbianerin Leyla Cárdenas: Hier stößt der Betrachter auf zwei gebeugte Muskelprotze, die in ein Gerüst eingespannt erscheinen. Die Figuren verdanken ihre eigenwillige Optik dem Material schwarze Alufolie und haben die Atlanten zum Vorbild, die bei vielen Wiener Gebäuden die Welt auf ihren Schultern zu tragen scheinen. Cárdenas' Hommage an die "Verdammten der Erde" funktioniert besser als die vielen erläuterungsbedürftigen Videoarbeiten der Schau.

Stark sind auch die Fotos, die der 1982 in Skopje geborene Milan Mijalkovic mit Schwarzarbeitern gemacht hat. Ein Bild seiner Serie "Arbeitsstrich Collection" zeigt einen Hackler mit Werkzeug, der auf einem Mistkübel wie auf einem Sockel steht, in Lebensgröße. Der Wiener Künstler Marko Lulić setzt sich schon lange mit Monumenten auseinander. Seine Neonarbeit "Modell für ein Denkmal für Migration in Perusić" bezieht sich auf einen Namensvetter aus einem Dorf nahe der Heimat seiner nach Österreich ausgewanderten Eltern. Jener Marko Lulić soll den Untergang der Titanic nur überlebt haben, weil er mit einer gestohlenen Offizierskappe wedelte - wenn es nicht wahr ist, so ist es gut erfunden.

Freiraum Museumsquartier, bis 4.9.


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