Kommentar Arbeitsmarkt

Erst die Banken retten, dann die Bankangestellten

JOSEF REDL | Falter & Meinung | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Das mit der Bankomatgebühr haben die Kunden, also wir alle, nicht so recht verstehen wollen. Wir überweisen per E-Banking, heben Geld am Automaten ab - eigentlich machen wir Kunden seit geraumer Zeit den Job, den früher die Schalterbeamten (oder Angestellten) gemacht haben. Wozu also auch noch dafür zahlen?

Die Antwort ist simpel: Weil Banken mit uns kaum Geld verdienen. Wenn überhaupt. Die Bank Austria wollte sich vor gar nicht allzu langer Zeit komplett vom Privatkundengeschäft trennen, weil die Beziehung zum Kunden unrentabel geworden ist. Der Plan, den gesamten Geschäftsbereich an die Bawag zu verhökern, ist dann doch nicht aufgegangen. Dafür hat die italienische Konzernmutter UniCredit die Bank Austria gleich ganz auseinandergenommen. Die lukrative Osteuropa-Sparte hängt künftig direkt an der Mailänder Zentrale. Dem Bank-Austria-Betriebsrat blieb nicht viel mehr, als möglichst gute Vereinbarung für jene Mitarbeiter auszuverhandeln, die nun gekündigt werden.

In den kommenden Jahren werden im Bankensektor - der im Vergleich zur Einwohnerzahl des Landes ziemlich groß ist - tausende Jobs verlorengehen. Diesmal trifft es nicht die Hackler, sondern die Mittelschicht. Der Strukturwandel wird schnell gehen. Die erste Generation der Gekündigten hat noch von einigermaßen gut dotierten Auflösungsvereinbarungen profitiert, die zweite weniger.

In naher Zukunft wird sich der österreichische Arbeitsmarkt mit einer großen Zahl von arbeitslosen Bankkaufleuten auseinandersetzen müssen. Nachdem im Zuge der Finanzkrise die Banken gerettet wurden, wird der Staat also demnächst auch die Bankangestellten retten müssen.


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