Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Der ORF braucht einen John Oliver

Appell: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Die gute Nachricht: Es wird mehr Satire im öffentlichrechtlichen Rundfunk geben. Zumindest hat das ORF-Chef Alexander Wrabetz vor seiner Wiederwahl versprochen. Die schlechte Nachricht: Es gibt noch immer kein Konzept. Zumindest wurde mit dem Satireportal Die Tagespresse vor kurzem Kontakt aufgenommen.

Der ORF hinkt seit Jahren bei etwas hinterher, das schon längst kein Trend mehr ist: Nachrichtensatire. Was sich der Öffentlich-Rechtliche damit bislang vergeben hat, verrät ein Blick nach Deutschland. Die Nachrichtensatiresendung "Heute Show" läuft seit 2009 mit starken Quoten und zählt zu den erfolgreichsten Formaten in der ZDF-Mediathek. Dabei ist sie selbst eine späte Kopie der legendären US-Nachrichtensatire "The Daily Show", die vor 20 Jahren das erste Mal ausgestrahlt wurde und mit dem begnadeten Jon Stewart zur Höchstform auflief.

Dessen ehemaliger Mitarbeiter John Oliver hob die journalistische Satire 2014 auf eine neue Stufe: In der Show "Last Week Tonight" arbeitet er sich humorvoll und investigativ an Missständen ab. Er ist damit so erfolgreich, dass das Time-Magazin den Begriff "John Oliver effect" prägte. Soll heißen: Macht Oliver etwas zum Thema, wühlt er die Leute damit so auf, dass sie aktiv werden. Erst vergangene Woche stieß er wieder eine Debatte über den Niedergang des Journalismus in den USA an.

In Österreich erkannte das Potenzial der Privatsender Puls4 und rief 2015 mit "Bist du deppert" eine investigative Steuerverschwendungsshow ins Leben. Im Herbst kommt die bereits vierte Staffel. Und der ORF? Der legte vor knapp zehn Jahren die Latte mit "Willkommen Österreich" sehr tief.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige