Film Neu im Kino

Dramatisches Gleichnis: "Ephraim und das Lamm"


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Es wird nicht alles gut. In einem Land, das von Armut geprägt ist, nach dem Tod der Mutter und einsam in einer fremden Umgebung kann für den neunjährigen Ephraim nicht alles gut werden. Doch vieles wird besser - sei es durch eigene Kraft erkämpft oder durch die Akzeptanz der Veränderung erreicht.

Diese Geschichte einer Entwicklung an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden erzählt der äthiopische Regisseur Yared Zeleke in seinem schönen Debütfilm "Ephraim und das Lamm". Ein Schäfchen namens Chuni ist alles, was dem Buben von seiner Mutter und dem liebevollen Zuhause bleibt, als sein Vater, Abraham, mit ihm das Heimatdorf verlässt, um in Addis Abeba Arbeit zu suchen. Ephraim wird bei seiner Großtante untergebracht, die mit ihrer Familie im Hochland lebt. Bald tun sich Konflikte auf: Die Feldarbeit liegt dem Buben nicht, das Kochen, das er von seiner Mutter gelernt hat, verbietet ihm sein strenger Onkel Solomon, da es Frauensache sei. Als Chuni geschlachtet werden soll, setzt Ephraim alles daran, mit seinem Lamm zu fliehen.

In einer Welt angesiedelt, in der Patchworkfamilie bedeutet, dass zusammenwohnt, wer am Leben geblieben ist, zeichnet sich Zelekes Film durch große Sorgfalt im Umgang mit den Figuren aus. Jede Position - neben Ephraim, Solomon und Abraham Großtante Emama, das Familienoberhaupt, ihre Schwiegertochter Azeb, Mutter eines kränklichen Mädchens, und Solomons ältere Tochter Tsion, die sich mehr für Wissenschaft als für die Ehe interessiert - ist Teil eines komplexen Gefüges, das als Spiegelbild der Heimat Zelekes dient.

Mit Ephraims kindlichem Blick einem Märchen, mit dem Lamm als Symbol einem Gleichnis nahestehend, nimmt das zarte Drama für Groß und (nicht ganz) Klein auch sein Publikum ernst.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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