Stadtrand Urbanismus

Was der Polizei ins Ohr geht


Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Sommer, die Zeit der lauen Nächte. Man sitzt bis spät in die Nacht plaudernd bei offenen Fenstern im Wohnzimmer, auf dem Balkon, im Hof, im Park, im eigenen Garten. Musik spart man sich selbstverständlich, der Nachtruhe wegen. Man spricht mit gedämpfter Stimme, flüstert fast. Aber Lachen lässt sich eben nicht flüstern. Und plötzlich steht im besten Fall der wütende Nachbar vor einem. Oder die Polizei. Im schlechtesten Fall informiert einen bloß ein Brief, dass der Empörte Klage eingebracht hat. Dabei war man doch eh so leise!

Was zu laut, also "störender Lärm in ungebührlicher Weise" ist, wie es im Beamtensprech korrekt heißt, kann der Einzelne aber gar nicht selbst entscheiden. Das wird nämlich individuell völlig unterschiedlich wahrgenommen. Und auch für den Gesetzgeber ist Lärm nicht gleich Lärm. Anstatt eine fixe Dezibelobergrenze festzulegen, die alle gleich behandelt, wird in jedem Fall individuell geprüft, ob eine angezeigte Lärmerregung störend und ungebührlich ist. Als hundertprozentig objektive Messgeräte fungieren dann die hinzugerufenen Polizeibeamten. Als Maßeinheit gilt deren individuelle Bewertung.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige