Leitfaden zu kritischem Denken


Armin Thurnher
Politik | aus FALTER 33/16 vom 17.08.2016

Wie alle guten Blätter berichtet das in London erscheinende New Left Review nicht nur aus der eigenen, angelsächsischen Perspektive, es bringt Beiträge über die ganze und aus aller Welt. In der aktuellen Ausgabe 99/May-June 2016 zieht zum Beispiel der an der WU lehrende junge österreichische Ökonom Joachim Becker eine Bilanz der EU-Mitgliedschaft der sogenannten neuen Beitrittsstaaten. Frappierend ist die desaströse Bilanz des Euro-Regimes, am besten lässt sie sich am slowenischen Beispiel studieren. Der vorsichtige Kurs mit gut ausgebautem Sozialsystem und gemäßigter Privatisierung führte zu anhaltendem Wachstum; erst durch die Anstrengungen der rechten Regierung Janša, die um jeden Preis dem Euro beitreten wollte, rutschte das Land in eine Rezession.

Aktuell und informativ rezensiert die Journalistin und Autorin Ece Temelkuran eines jener Bücher, die helfen, Erdoğan, die Türkei und die AKP zu verstehen: Cihan Tuğals "The Fall of the Turkish Model: How the Arab Uprisings Brought Down Islamic Liberalism" beschreibt plastisch das Sykophantentum gegenüber Erdoğan (als er ankündigte, die Türkei werde im Mobilfunk direkt von 3G auf 5G umschalten und 4G überspringen, plakatierte eine Telefonfirma - nur um Erdoğan nicht zu widersprechen - ein System namens 4.5 G, das es gar nicht gibt), und andererseits die übertriebenen Hoffnungen des Westens auf sein Regime.

New Left Review 99, May/June 2016.160 Seiten, € 12,- www.newleftreview.org


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