"Das sind Verhältnisse wie in den Tropen"

Alle reden über das Wetter, wir auch. ZAMG-Direktor Michael Staudinger über extreme Ereignisse, Erderwärmung und Chemtrail-Paranoia

Feuilleton | INTERVIEW: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ein Dienstag Mitte Juli, es ist drei Uhr Nachmittag. Bereits am Sonntag zuvor hat es im Westen schwere Unwetter mit Hagelschlag und Murenabgängen gegeben. Nach sehr schwülem Wetter ist für die kommenden Tage ein Temperatursturz angesagt. Zuständig für die Vorhersage ist hierzulande die 1851 gegründete Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die aufgrund ihrer Adresse in Döbling auch „Hohe Warte“ genannt wird. Die ZAMG ist eine teilrechtsfähige Institution des Bundes, also auch auf eigene Einnahmen angewiesen, die vor allem durch Dienstleistungen für Energieversorger, Versicherungen oder die Bau- und Landwirtschaft hereinkommen.

Das Büro von Michael Staudinger, dem Direktor der ZAMG, ist im ersten Stock des historischen Hann-Hauses untergebracht – benannt nach dem Meteorologen Julius von Hann (1839–1921). Zum Hann-Haus gehört ein Aussichtsturm, der seiner exponierten Lage wegen ein beliebtes Blitzziel ist. Noch ist es sicher, ihn zu besteigen, aber man muss kein allzu gewiefter Prognostiker sein, um angesichts der aus dem Westen heranschiebenden tintendunklen Wolkenmassen vorauszusagen, dass es in den nächsten Stunden ein ordentliches Gewitter geben wird. Unwetter sind in diesem Sommer ein verlässlicher Bad-News-Lieferant. Anfang Juni war es nach extrem heftigen Regenfällen im bayerischen Simbach am Inn zu einer Flutwelle gekommen, die fünf Todesopfer gefordert hatte.


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