Kommentar Bildung

Kürzt die Sommerferien, führt Herbstferien ein!

Falter & Meinung | SIMON SEHER | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Die Schulferien im Sommer sollten kürzer werden -auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen. Gut, dass Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) diese Diskussion im "Sommerloch" - der innenpolitischen Ferienzeit - eröffnet hat.

Johann Skocek hat als ehemaliger Lehrer für das Bewahren des Status quo plädiert (Falter 33/16). Er hat recht, dass in jeder bildungspolitischen Debatte die Kinder im Mittelpunkt stehen müssten. Aber in den anderen Punkten muss ich ihm widersprechen.

Vor zwölf Jahren wäre ich wütend geworden, wenn man mir als Volksoder Hauptschüler auf dem Land eine oder gar zwei Ferienwochen weggenommen hätte. Unabhängig davon, ob ich im Gegenzug im Herbst eine Woche freigehabt hätte. Ich hatte eine Saisonkarte im Freibad und wollte mit Freunden Fußball spielen. In einer kleinen Gemeinde ist das auch ohne Beaufsichtigung möglich. Jeder kennt jeden. Meine Mutter konnte arbeiten, die Großmutter war immer daheim.

Heute haben sich die Verhältnisse geändert. Mein Beispiel ist nicht mehr repräsentativ, sondern veraltet. Viele Eltern können ihre Kinder nicht mehr ruhigen Gewissens sich selbst überlassen. Familie, Freunde und sogar bezahlte Arbeitskräfte müssen die Betreuung übernehmen, weil oft die Alternativen fehlen.

Mit Schulen und Horten hat der Staat die nötige Infrastruktur, mit den ausgebildeten Pädagogen ein geeignetes Personal, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Kürzt also die Sommerferien, damit die Schüler im Sommer nicht mehr so viel verlernen. Und führt Herbstferien ein, damit Kinder zwischen dem hektischen Schulbeginn und den ersten Prüfungen eine Pause haben.


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