Rokoko für Refugees

Engagement und Zynismus: Wie der Künstler Ai Weiwei im Belvedere politische Kunst karikiert

Feuilleton | KRITIK: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Die Blume des Bösen blüht vor dem Oberen Belvedere. Der chinesische Künstler Ai Weiwei installierte "F Lotus" im Wasserbassin des barocken Gartens und versteckte das Gift so gut, dass es erst auf den zweiten Blick zu wirken beginnt. Ai ließ die künstlichen Lotusblüten nämlich aus gebrauchten Schwimmwesten zusammenbauen, die syrische Flüchtlinge auf der gefährlichen Überfahrt von der Türkei nach Griechenland anhatten.

Der Künstler wollte ein Mahnmal gegen den gleichgültigen Umgang des Westens mit den Flüchtlingen bauen. Ein Betrachter, der einen Angehörigen auf der Flucht verlor, wird "F Lotus" aber eher als Provokation empfinden. Aus der Sicht eines Betroffenen abstrahiert hier ein Künstler die noch frischen Zeugnisse von Tod und Trauer zur Vignette.

So ambivalent ist diese Kunst. Das Publikum weiß nicht, ob Ai Weiwei Tragödien dazu benutzt, um daraus die Marke Ai zu schmieden. Oder ob ein politischer Aktivist seine Prominenz einsetzt, um dorthin zu zeigen, wo es wehtut.


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