Lass doch die Sau raus!

Fleisch vom Biohof Labonca gilt unter Spitzenköchen als beliebtes Qualitätsprodukt -und setzt auch in Sachen Bio hohe Maßstäbe


REPORTAGE: GERLINDE PÖLSLER

Landleben | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016


An einem heißen Tag wie diesem schleppt jeder sich herum, will nur ins Kühle. Das Schwein so wie der Mensch. Auf der Weide fläzen einige der fleckigen Borstenviecher im Schatten ihres Unterstands und dösen. Die anderen haben sich bis über den Bauch in den Teich versenkt und rühren sich nicht. Auch der Besuch ist ihnen egal. Erst als Norbert Hackl ihnen Äpfel entgegenhält, kommt Bewegung in die Gruppe. „Menschen interessieren sie nicht“, sagt er. „Warum auch, sie haben da ja alles, was sie brauchen.“ Naja, ein bisschen interessieren sie die Menschen doch. So viel, dass sie grunzend an Taschen und Schuhen knabbern, so viel, dass ein paar aus der Schlammkuhle steigen und sich schütteln, dass die Batzen fliegen.

„Labonca“, das ist der altslawische Name der Lafnitz, die hier fließt. Der Betrieb im oststeirischen Thermenland hat sich in den letzten Jahren als starke Marke etabliert – über Österreich hinaus. Das Seminarhotel Retter in Pöllauberg wirbt genauso mit Labonca-Fleisch wie die Thermen Waltersdorf und Blumau, das Tim-Mälzer-Lokal am Wiener Stubenring und die in Berlin weilende Starköchin Sarah Wiener. Der Betrieb heimst für seine Fleischqualität Auszeichnungen ein und erhielt auch 2010 den Österreichischen Tierschutzpreis. Josef Troxler, Chef der Abteilung Nutztierhaltung an der Vetmeduni Wien, schaut regelmäßig mit Studierenden vorbei. Die Hackls gehen mit ihren 440 Freilandschweinen und den Rindern weit über alle Bio-Standards hinaus. Auch beim Schlachten, wo gern verdrängt wird, dass biologisch gehaltene Tiere auf genau denselben Schlachthöfen landen wie alle anderen auch und dort genauso im Akkord in den Tod getrieben werden.

Angefangen hat Norbert Hackl einst konventionell. So führten auch die Eltern den Hof, so lernte er es in der Ausbildung. „Dort habe ich aber überhaupt nicht gelernt, welche Bedürfnisse die Tiere haben.“ Dabei seien die Schweine, sagt Hackl, „ab den 1970er-Jahren genauso wie das Geflügel richtig vergewaltigt worden“. Früher hatten die Bauern ein paar Schweine, so viele, wie sie mit Essensresten füttern konnten. Dann kam der Mähdrescher, auf einmal war Getreide billig, und die Bauern konnten sich leicht viel mehr Schweine und Hühner in die Ställe pferchen.

  1907 Wörter       10 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige


Anzeige