Film Neu im Kino

Ein langes Kajaking-Video: "Chasing Niagara"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Fünfzehn Menschen sind die Niagarafälle in Behältnissen oder auf Gefährten bisher hinuntergefahren. Fünf überlebten nicht. Von den Horseshoe Falls magisch angezogen wurde auch der Extremkajakfahrer Rafa Ortiz. Drei Jahre lang arbeitete er mit seinem Team auf den lebensgefährlichen und illegalen Stunt hin.

Rush Sturges, selbst Wildwasser-Kajakfahrer und Ortiz' Trainer, hat seinen Freund auch als Dokumentarfilmer begleitet. "Chasing Niagara" steigt in einem schaurigen Moment ein, zu dem er später - nach einem Rückblick auf die Entstehung der Idee und viele Trainingsfahrten auf Wasserfällen in Mexiko und den USA - zurückkehrt: Bei einer Abfahrt im Río Agua Azul ertrinkt Ortiz' Teamkollege Gerd Serrasolses um ein Haar, die Wiederbelebung ist aus der Perspektive seiner Helmkamera zu sehen. Auch Ortiz hat ein Nahtoderlebnis, Sturges bricht sich die Nase und blickt verquollen umher.

Dass "Chasing Niagara" vermittelt, was die Männer zu ihrem lebensgefährlichen Sport treibt, wäre zu viel verlangt, es lässt sich solche Abenteuerlust wohl nicht erklären. Schade ist aber, dass sich Sturges nicht genug von seinen Actionsportvideos freimachen kann. Anstelle eines Porträts der Protagonisten inklusive ihres Alltagslebens leitet Ortiz als nicht gerade pathosfreier Icherzähler durch den Film, die anderen Paddler geben knappe Kommentare ab. Die Techniken des Sports werden nur wenig gestreift, ebenso wie die Schicksale der 15 "Daredevils of Niagara Falls". So ist die kurze Doku zuvorderst ein langes Extremsport(werbe)video mit spektakulären Aufnahmen. Durch eine unerwartete Wendung menschelt es dann doch noch auf ganz spannende Weise - Rafa Ortiz zählt Gott sei Dank nicht zu den unglückseligen 33 Prozent der Niagara-Abfahrer.

Ab Fr in den Kinos


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