Theater Kritik

Tschüss mit ü, Tschau mit au, Pfiati mit pf

Lexikon | Theresa Gindlstrasser | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Romeo Montague Jr. hat' s nicht leicht mit der Liebe. Als Sohn des größten Liebespaares von überhaupt, von Romeo und Julia, steht er ständig im Schatten seines romantikerprobten, poesiebegabten Vaters. Bei einem Aufenthalt in Wien hat er sich zudem ein gar wenig shakespearianisches Idiom zugelegt: "Tschüss mit ü. Tschau mit au. Pfiati mit pf." Bei Michael Niavaranis "Romeo & Julia - Ohne Tod kein Happy End" fallen die Austriazismen in die gebundene Sprache ein. Das Changieren zwischen Dialekten und Sprechweisen rückt die Geschehnisse nah ans Publikum heran und erzeugt die überraschenden Wendungen, die das Kostüm-Licht-Musik-Pointenfeuerwerk über drei Stunden am Laufen halten.

Der viele sprachliche Schabernack durchlüftet so die lang und breit auserzählte Geschichte: Romeo und Julia sind nicht gestorben, wir sehen sie wieder nach 30 Jahren, die sie in wilder Ehe miteinander verbracht haben. Die Eheschließung durch Pater Lorenzo war nämlich nicht rechtskräftig, sie soll jetzt erneuert oder eigentlich erst getätigt werden. Niavarani, der außerdem für Text und Regie (gemeinsam mit Bernhard Murg und Oliver Rosskopf, die auch auf der Bühne stehen) verantwortlich zeichnet, steckt als alter Romeo in Strumpfhosen und geplusterten, schillernden Hosen. Die These, dass auch die formidable Liebe zwischen Romeo und Julia am Ehealltag zerbrechen hätte müssen, unterstreicht er hingebungsvoll mit all seinen Affären. Aber nicht nur Michael Niavarani selbst, sondern das ganze, aus zwölf Schauspielern, vier Musikern und vier Tänzern bestehende Ensemble - alle bekommen einen großen Moment, um sich vom Publikum ihren großen Lacher zu erspielen. Wer Laune auf Kavalierswitzchen und wienerische Zoten hat, der gehe unbedingt hin in den Event-Schuppen aka Globe Wien.

Globe Wien, So-Di 19.30


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