Psychedelik mit Tiroler Wurzeln: An den Türen in eine andere Zeit

Feuilleton | PORTRÄT: LUCA GASSER | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Mystisch wabert der Nebel, von den fünf Musikern sieht man nur die Silhouetten. Sie füllen den Raum des B72 mit tosendem Bass, düsteren Grooves und schillernden Orgelwellen. In den 1960ern in Großbritannien entstanden, hat psychedelische Klangkunst nun auch hierzulande wieder Vertreter.

Aux Portes versuchen die traumhaft schwebende Musik weiterzuentwickeln, wie es Tame Impala in Australien machen. Der Bandname kam zufällig zustande, das französische "aux portes" heißt auf Deutsch "an den Türen", ist aber keine Anspielung auf The Doors. Die Wiener Band mit Tiroler Wurzeln wollte einfach nur einen Namen, der gut klingt.

In den letzten Monaten trafen sich die fünf öfter in ihrem Proberaum in Wien-Margareten, um sphärischen Schall auf eine konkrete Platte zu bannen. Am 14. August präsentierten Aux Portes ihre erste EP, die so heißt wie die Band. Fünf Nummern sind darauf, darunter das instrumentale "Glockenspielfuzz" und der Ohrwurm "It's Alright".

Ihr Gewand ist so retro wie ihre Musik. Ältere Besucher erinnern sich angesichts bunter Hemden und Chelsea-Boots an ihre LSD-Jugend. "Jüngere Leute denken eher an das, was gerade aus Australien kommt", sagt Keyboarderin Romy Jakovcic. Rein psychedelisch ist die Musik inzwischen nicht mehr, die Band bemüht sich, auch Elemente aus dem sogenannten Shoegazing (engl., Auf-die-Schuhe-Starren) einfließen zu lassen. So bezeichnete die Musikpresse neopsychedelische Bands der 1980er-Jahre, die lieber gedankenverloren zu Boden blickten, als Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen.

Der Strudel aus heulenden Gitarren, Horrorshow-Orgel und wühlendem Bass legt die Vermutung nahe, dass LSD eine Inspirationsquelle sein könnte. Zeitzeugen erinnern sich an den "nicht mehr gesunden" Umgang mit Drogen in der Anfangszeit der Band, die 2013 in Innsbruck zusammenfand. Heutzutage brauchen Aux Portes keine chemischen Hilfsmittel mehr, ihre Musik öffnet ihnen auch nüchtern Türen in andere Zeiten.


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