Phettbergs Predigtdienst

Immer öfter wünsch ich mir Gotty am Nachtkastl

Kolumnen/Zoo | Hermes Phettberg | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Das heutige Evangelium behauptet den Mythos, dass die heilige Maria Muttergottes mit Leib, all ihren Knochen und all ihren Häuten im Himmel oben schwebt. Immer fester dringt in mich ein, dass der heutige Marienfeiertag "uns" mitteilen will, dass Maria, das heißt ein 14-jähriges schwangeres bildhübsches Mädchen, "Gott" in ihrer Not erkannt hat. Wenn ihre Not erkannt wurde, wird auch wohl meine Not von Gotty erkannt werden? Maria, die mit Jesus schwanger ist, geht ja auch im heutigen Evangelium (Lk 1,39-56) zur Frau des Zacharias, die ebenfalls schwanger ist, mit Johannes dem Täufer, und bleibt drei Monate bei ihr. Der Gentleman Zacharias hat sicher den Zimmermann Josef zu bewegen vermocht, Maria bei sich aufzunehmen und sich mit ihr zu verloben. Jeden Tag schwanke ich hin und her, ob es denn wirklich Gott gebe oder gar nicht?

JEDENFALLS ist die Chimäre Gott eine gewaltige Lebenshilfe. Ein Psychiaty wie mein allerallererster einer gewesen ist, Dr. Kenneth Thau, den ich ab 1989 besucht habe (große freudianische Analyse), also einer, der Sigmund Freud nacheifert, hätte sicher damals zur gotischen Zeit den Leuten zum Trost gesagt: "Wenn du gestorben bist und brav und entgegenkommend dein Leben lang warst, also vielen zu leben geholfen hast, kommst du in den Himmel und kannst dort weiter das Leben genießen!" Immer mehr und immer öfter wünsch ich mir Gotty am Nachtkastl. Es wär doch so schön, ewig zu leben zu vermögen, wie all die "Schriften" es behaupten, wenn du brav und hilfreich dein Leben lang warst!

Es ist elend, nix mehr selbst zu vermögen! Selbst Yoga oder Meditation oder Schamanentum sind mir unerreichbar. Als ich circa zwei, zweieinhalb war, hat einmal eine unserer Kühe Nachwuchs bekommen, und Theo und die Eltern waren Entbindungshelfer, hatten aber den Schlüssel in der Wohnungstür von außen umgedreht, und ich ertappte sie dabei, dass sie mich allein gelassen hatten, und begann lauthals zu weinen und um Hilfe zu plärren. Ich konnte nicht hinaus in den Hof und nachschauen gehen. Ich weinte und schrie laut, dass ich es heute noch höre, doch sie waren bei der Kuh entbindungshelfen und ließen mich allein. Jetzt bin ich einsam, wie damals, als ich zweieinhalb war.

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