Kunst Kritik

Landpartie, oder was die Bestände so hergeben

Lexikon | NS | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Schöne Aufnahmen der Alpen: In Österreich wurden solche Sujets in den 1930er-Jahren als Zeugnisse einer unberührten, zeitlosen Natur zum Symbol einer ebenso beharrlichen Nation; andererseits dienten die Bergbilder als Werbemittel für den aufkommenden Tourismus. Mit kommerziellem Interesse stieg bereits 1863 der Wiener Fotograf Gustav Jägermayer in das Großglocknermassiv, um dort mit schwerem Gerät das "ideale Gletscherbild" zu schießen und gleich vor Ort zu entwickeln. Jägermayers damals als Serie verkaufte Bilder der Pasterze stehen am Anfang der Ausstellung "Land & Leute", in der die Albertina aus ihren Fotobeständen schöpft.

Die Auswahl ist so locker wie der Titel. So stellt etwa die Heimatfotografie nur ein Unterkapitel der zusammengewürfelten Schau dar, die auch nach Japan und Amerika führt. Den Einfluss der Malerei auf das technische Medium lässt der romantischunscharfe Gummidruck "Wanderer vor einer Wolke" 1912 von Heinrich Kühn erkennen. Peter Paul Atzwanger und Rudolf Koppitz rückten die Kamera näher an die Landbevölkerung heran und blieben der Realität doch fern. Die Bauern stellt Koppitz oft monumental dar, wenn er ihre Trachten in Untersicht festhält; solche Überhöhungen waren freilich anschlussfähig an die Ideologie des Deutschen Reichs und deren Kult um Blut und Boden.

Während die Japan-Bilder des Baron Stillfried von Rathenitz um 1868 in der Schau eher deplatziert wirken, klappt die in einem eigenen Raum gehängte USA-Auswahl mit Farbfotos von Joel Meyerowitz und anderen besser. Für das Thema lohnender erscheint dennoch Manfred Willmanns Serie "Das Land", die humorvoll oder melancholisch gelesen werden kann, und die Porträts von Jugendlichen, mit denen der 1979 geborene Paul Kranzler bekannt geworden ist.

Albertina, bis 4.9.


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