Ohren auf Alles Martha

Das wilde Mädchen am Klavier wird 75

Feuilleton | MIRIAM DAMEV | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Temperamentvoll, sinnlich, poetisch, rauschhaft. Wenn Martha Argerich das Podium betritt, dann sprühen die Funken. Als "pure Hexerei" bestaunte Kritikerpapst Joachim Kaiser ihr entfesseltes Klavierspiel, und Horowitz selbst adelte die Argerich mit dem Satz: "This damn'd lady has it." Im Juni feierte die große Pianistin ihren 75. Geburtstag -der ideale Anlass, um neue Aufnahmen zu präsentieren.

Als Glücksgriff entpuppt sich das Doppelalbum "Early Recordings"(DG) mit frühen, bisher unveröffentlichten Rundfunkaufnahmen. Zu hören sind neben Werken, die die Argentinierin später erneut einspielte, auch Stücke, die erstmals auf Tonträger vorliegen. Mozarts späte D-Dur-Sonate und Beethovens Sonate op. 10/3 etwa, die Señorita Argerich hier mit unbändiger Spielfreude und Leichtigkeit interpretiert. Oder Sergei Prokofjews Dritte Sonate, die als ekstatischer, wilder Ritt daherkommt.

Des Konzertbetriebs überdrüssig, suchte sich Argerich später neue Spielwiesen abseits der üblichen Trampelpfade und gründete vor 15 Jahren ein Festival in Lugano, wo sie mit Freunden und Weggefährten aus aller Welt neue Programme erarbeitet. Das Album "Martha Argerich &Friends -Live from Lugano 2015" (Warner) hält neben dem klassisch-romantischen Repertoire auch kreative Höhepunkte parat: Musik des argentinischen Filmkomponisten Luis Enríquez zum Beispiel oder die Suite aus "Les enfants terribles" für drei Klaviere von Philip Glass.

Mit Daniel Barenboim gab Argerich vorigen Sommer ein Konzert in ihrer gemeinsamen Heimat Argentinien. "Live from Buenos Aires" (DG) gibt es nun auf CD, mit Bartóks stürmischer Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, dazu kommt Rares von Schumann und Buntes in Claude Debussys "En blanc et noir". So schön klingt es, wenn zwei alte Freunde miteinander musizieren.


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