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Hulk Hogan hat Gawker niedergerungen

Medien | NACHRUF: ANNA GOLDENBERG | aus FALTER 34/16 vom 24.08.2016

Die amerikanische Tratschinternetplattform Gawker ist Geschichte. Grund dafür ist ein Rechtsstreit, der mit einem Sexvideo des Ex-Wrestlers Hulk Hogan begann, das 2012 auf der Klatschseite erschienen war. Hogan klagte auf Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Der republikanische Milliardär Peter Thiel, den die Plattform 2007 als schwul geoutet hatte, unterstützte Hogans Prozess finanziell.

Im März wurde Gawker Media, zu dem neben Gawker sechs andere Onlinepublikationen gehören (etwa das Technikblog Gizmodo und das feministische Jezebel), zu einer Schadenersatzzahlung von 140 Millionen Dollar (umgerechnet 124 Millionen Euro) verurteilt. Gründer Nick Denton legte Berufung ein und beantragte Insolvenz; vergangene Woche wurde Gawker Media vom US-Medienunternehmen Univision Communications ersteigert, das entschied, alle Websites bis auf Gawker weiterzuführen.

Mit der Einstellung Gawkers verliert Amerika eines seiner berüchtigtsten Onlinemedien. Gawkers Geschäftsmodell basierte auf niederträchtigen Boulevardgeschichten, die für Klicks und somit auch für Werbeeinnahmen sorgten.

Dennoch kritisieren Medienbeobachter in den USA Gawkers Aus. Sie befürchten, dass Milliardäre nun eine Vorlage bekommen haben, um unliebsame Publikationen zum Schweigen zu bringen. Schließlich nähmen aufwändige Rechtshandlungen dem Journalismus Ressourcen weg. Dass es sich bei Gawker neben Klatsch und Tratsch auch um Journalismus gehandelt haben soll, argumentieren sie mit Gawkers Enthüllungen. Die Boulevardseite deckte etwa auf, dass die Onlineplattform Buzzfeed im Nachhinein Artikel löschte, die zu kritisch gegenüber Werbekunden waren.


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