Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Retro ist das neue Sci-Fi. Anstatt visionär in die Zukunft zu blicken, schauen wir lieber nostalgisch-wehmütig in die Vergangenheit. Das gilt in der Musik wie in der Mode -und natürlich auch im Film. Alles spielt sich momentan besonders gerne in Dekaden ab, die das Zielpublikum miterlebt oder deren Nachbeben es zumindest noch gefühlt hat.

Aktuellstes Beispiel nach "Stranger Things" ist die Netflix-Serie "The Get Down", in der Popkultur möglichst originalgetreu, aber nach heutigen Maßstäben reinszeniert wird. Das sieht so aus: eine verwahrloste 1970er-Jahre-Bronx-Kulisse, in der schwarze, vom Disco-Sound gelangweilte Problem-Kids mit gigantischen Afros Hip-Hop und Graffiti erfinden. Zwar ist die Geschichte sehr unterhaltsam und schillert wie Neon- Technicolor, doch das Elend, aus dem die Kunst entstand, beschränkt sich - der gegenwärtigen Supersicherheitskultur entsprechend -auf jugendfreie Andeutungen. Stattdessen gibt es lieber Gesangsszenen, die irgendwo in die harmlosen Gefilden zwischen Disneyland und "West Side Story" angesiedelt sind.


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