Stadtrand Urbanismus

Erste-Welt-Probleme im Vergleich

Stadtleben | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Es ist immer wieder interessant, was einem auffällt, wenn man anderswo zu Besuch war. Viele Dinge bekommen erst durch den Vergleich einen Wert. Da kommt man zum Beispiel aus Oslo zurück, aus der Hauptstadt der emanzipierten Welt, dem in so vielen Belangen herangezogenen Vorbild, und stellt fest: Ja, junge Frauen bewegen sich dort tatsächlich anders im öffentlichen Raum, selbstverständlicher, selbstsicherer, nutzen und genießen ihn, während er hier meist nur Transitzone ist. Einerseits.

Andererseits ist dort etwas zu beobachten, was es in Wien so nicht gibt: eine Teilung zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Reich und Arm -Stadtteile, in denen so gut wie ausschließlich Migranten leben und in die die meisten Norweger nur dann gehen, wenn sie billig essen und trinken wollen. Und auch das geht auf Kosten der Migranten, die durch mies bezahlte Arbeit die niedrigen Preise erst möglich machen.

In Wien haben soziale Durchmischung und leistbarer Wohnraum für alle eine lange Tradition. Die bröckelt aber zunehmend. Wie wichtig beides ist, sieht man erst, wenn man durch Glasscherbenviertel geht.


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