Kolumne Außenpolitik

Weit haben sie es gebracht. Die Sandinisten in Nicaragua heute


RAIMUND LÖW
Falter & Meinung | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Von ehemaligen Kampfgefährten gibt es nur Spott und Hohn für Daniel Ortega. Ernesto Cardenal, der Theologe und Dichter, vergleicht ihn mit einem Diktator. Die Sandinistische Befreiungsfront (FSLN) sei zur Clique verkommen, mit dem einzigen Ziel, den Machterhalt und den Reichtum eines neuen Caudillo zu sichern, argumentieren Kritiker. Seine Seele habe er verloren, durch eine prinzipienlose Bündnispolitik gegenüber den rechten Parteien und der ultrakonservativen katholischen Kirche.

Der ehemalige linke Guerillaführer hat sich zum christlichen Fundamentalisten gewandelt. Seine Frau, Rosario Murillo, ist eine religiöse Fanatikerin. Jesus, die Bibel und die Jungfrau Maria stehen im Zentrum ihrer Botschaft. Im Block mit der ultrakonservativen katholischen Kirche haben die Ortegas strenge Antiabtreibungsgesetze durchgesetzt.

Im November wird der charismatische Populist mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem neuerlich zum Präsidenten gewählt werden. Ernsthafte Gegenkandidaten gibt es nicht.

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