Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Haarbock

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Man verbrät viel Lebenszeit, um halbwegs genormt sexy daherzukommen. Die Füße gesalbt und enthornt, die Beine enthaart, der Rest aber auch, geschminkt, frisiert, Stunden um Stunden. Man kann natürlich auch drüberstehen und Natur-pur-Ikone werden. Aber dazu muss man das Gezischel hinter dem Rücken zu ignorieren verstehen. Wenn man dazu aber nicht das Zeug hat, sucht man den Schuldigen.

Wer hatte eigentlich diese Scheißidee mit der Rasur da dauernd? Der Ovid war's. Er riet den Damen, ihre Zähne zu reinigen und Gesicht und Achseln sauber zu halten. Und sich zu enthaaren: "Nicht komme der trotzige Bock euch unter die Achseln, nicht sei rau von Härchen das Bein", Ovid, Liebeskunst, Ars amatoria III.

Damals war natürlich nicht zu ahnen, dass einer der größten Stars unserer Breiten in den 1980er-Jahren gerade wegen eines wirklich stattlichen trotzigen Bockes so berühmt wurde: Nena! Also gesungen hat sie natürlich auch. Ich habe das kürzlich angemerkt, als Positivbeispiel.

Ich bekam zur Antwort, wenn ich jemals so intonieren könne wie sie, könne ich über den Bock nachdenken. So gemein.


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