Tiere

Not mit Kot

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Ich bin wie der kleine Maulwurf in dem Kinderbuch“, schreibt Frau K. „Auch ich will wissen, wer mir auf den Kopf bzw. vor die Haustüre gemacht hat!“ Begleitet wird diese Anfrage von einem Foto, auf dem man ein etwa 30 Zentimeter tiefes kreisrundes Loch sieht, das bis zum Rand mit formschönen, dattelfarbenen Exkrementen gefüllt ist. Freundliche Grüße und die Frage, wie man diese unautorisierte Kotabsetzung zukünftig unterbinden könne, beenden dieses Mail. Ein häufig deponierter Wunsch zu diesen unerwünschten Häufchen. Denn vermutlich leben 60.000 dieser Tiere in Österreich: Dachse. Und circa 8000 davon werden jedes Jahr erschossen „um das ökologische Gleichgewicht zu wahren“, wie die Zentralstelle der Landesjagdverbände erklärt. Obwohl Dachse hauptsächlich Regenwürmer, Engerlinge und Früchte fressen, wird ihnen von den Jägern Schaden am „Niederwild“ angelastet. Eigentlich meint man damit, dass die Grimmbärte gelegentlich auch Fasa-
neneier erbeuten.

Bei Problemen mit Tieren tauchen immer nur zwei Lösungen auf: abschießen oder aufessen. Zwecks Letzterem hat in der Südoststeiermark ein Amtstierarzt den „DachsessClub“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Runde ist es, Dachsfleisch – wieder – auf den Speiseplan zu bringen. Aber: Dachse haben eine dicke Fettschicht, und Fett speichert sehr gut die Aromen unterirdischer Erdbauten. Diese Schwarten müssen daher sehr säuberlich entfernt werden. Und dann gäbe es noch Analdrüsen mit ihrem markanten Hautgout.

Da die Jagd in bebautem Gebiet verboten ist, braucht die anfragende Frau K. wohl einen anderen Rat. Von den obskuren Tipps zur Vergrämung im Internet rate ich ab, außer man will seinen Garten und Ruf verwüsten: einen Hund markieren lassen (Pest oder Cholera?). Beim Friseur einen Sack voll abgeschnittener Haare besorgen und rund um den Gartenzaun ausstreuen (Beginn eines Entmündigungsverfahrens). Weidezaungerät auf Dachsnasenhöhe spannen (Obacht bei Kleinkindern!). Mit Lebendfallen fängt man nur die Katzen der Nachbarn, und Düngekalk auf dem Rasen auszustreuen, um Engerlinge als Hauptnahrung tiefer in die Erde zu treiben, lässt die Dachslatrine geradezu sympathisch erscheinen. Besser dem US-amerikanischen Prinzip folgen: „If you can’t stick them, lick them.“ Mt einer Schüssel Katzenfutter befriedet man den Dachs, und dieser verlässt den Grund ohne weiteres Graben und Stoffwechseln.


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