Wieder gelesen Bücher, entstaubt

Ein Klassiker der Queerness

Politik | B. TÓTH | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Die Ehe zwischen dem Diplomaten Harold Nicolson (1887-1968) und der Schriftstellerin Vita Sackville-West (1892-1962) war ungewöhnlich. Beide waren bisexuell, vor allem Vita wurde später wegen ihrer Beziehung zur Schriftstellerin Virgina Woolf bekannt. Nigel Nicolson ist der Sohn der beiden und veröffentlichte dieses Buch 1974 auf Basis eines autobiografischen Textes, den seine Mutter hinterlassen hat.

Was das Buch faszinierend macht, ist die Art und Weise, wie Vita über ihr "Anderssein" schreibt, über die beiden "Strömungen" in ihrem Begehren. Klug sieht sie voraus, dass Menschen wie sie in der Zukunft ganz normal sein werden. "Ich bin überzeugt davon, dass die beiden Geschlechter später einmal, wenn die Jahrzehnte voranschreiten, als einander näher verstanden werden, weil sie sich in so vielem ähneln. Gleichgeschlechtliche Liebe wird nicht mehr als unnatürlich angesehen werden, zumindest in ihrer intellektuellen, wenn nicht sogar in ihrer physischen Form."

Nigel Nicolson: Portrait einer Ehe. Harold Nicolson und Vita Sackville-West. Ungekürzte Ausgabe in deutscher Übersetzung, Ullstein, 1995,320 S., gebraucht ab € 2,-


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