Film Neu im Kino

Schrecklich schön: Filme von Peter Brunner

Lexikon | EVA-MARIA KLEINSCHWÄRZER | aus FALTER 35/16 vom 31.08.2016

Peter Brunners Filmästhetik schlägt einem mit enormer Wucht entgegen und entlädt sich in bildgewaltigen Aufnahmen. Seine Themen ziehen sich entlang von versehrten Körpern, deren Innerstes nach außen gekehrt wird, und so webt Brunner ein Netz aus experimentellen Zugängen, in denen sich (alb-)traumhafte Sequenzen aus Gedichten, dröhnendem Sound oder Found-Footage-Material ausbreiten. Expression statt Impression. Gleich zwei Filme sind nun im Stadtkino zu sehen.

"Mein blindes Herz" ist eine Zusammenarbeit mit Brunners Freund Christos Haas, der an dem seltenen Marfan-Syndrom leidet und im Film die Rolle von Kurt übernimmt, der (auto-)destruktiv gegen diesen Körper ankämpft, den er nicht will, den auch die Gesellschaft ablehnt. Der Film ist aggressiv, er ist mit seiner kryptischen, aber brutalen Bildsprache beinahe schon übergriffig und arbeitet konsequent gegen jedes Aufkommen von wohligem Verständnis. Der gebrechliche Körper von Haas steht dabei im Kontrast zu den massiven Flaktürmen von Wien, deren Endgültigkeit erhaben in den schwarz-weißen Himmel ragt, während im Hintergrund Kurts inneres Meer rauscht.

"Jeder der fällt hat Flügel" ist ein weiterer tiefer Schnitt ins Leben. Auch hier läuft alles dem Ende zu, das unausweichlich schon zu Beginn feststeht, wie in Stein gemeißelt, ein Grabstein. Die Großmutter wird sterben. Ihre Enkelin verbringt die letzten Tage bei ihr, um Abschied zu nehmen. Innerhalb von Sekunden schlagen Situationen den ganzen Film über von großer Nähe in die unfassbare Grausamkeit dieses Geschehens um und finden ihre Entsprechungen in symbolhaften Ausschnitten, die einen dichten Teppich aus verschiedenartigen Assoziationen bilden. Gleichzeitig lässt das Zusammenspiel der beiden Frauen Momente großer Intimität entstehen.

Brunners Filme sind unheimlich in einem ganz wörtlichen Sinne. Orte des Heimes, und sei es das Innerste als letzte Zuflucht, werden in diesen Filmen von zerstörerischen Kräften heimgesucht -und werden so eines jähen Endes gewahr, schrecklich wie wunderschön.

Ab Fr im Filmhauskino am Spittelberg


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